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Whisky-Tasting – 7 Schritte zum perfekten Genuss

Whisky wird nicht nur immer beliebter und gern zu Hause oder im Lokal getrunken, sondern auch Whisky-Tastings sind mittlerweile in fast allen Städten präsent. Sie können im Rahmen der Besichtigung einer Brennerei an einem Whisky-Tasting teilnehmen, ein regelrechtes Seminar besuchen, es Zuhause mit Freunden veranstalten oder aber sich sogar einen Whisky-Berater ins Haus holen, der dort ein Tasting für Sie veranstaltet. Bei all diesen unterschiedlichen Varianten geht es natürlich um den Whisky und vor allem die Auswahl der Sorten, die verkostet werden sollen, aber es geht auch, und das ist fast das Wichtigste, um das richtige Prozedere bei der Whisky Verkostung.

Unter Weinliebhabern ist es die Weinprobe, die genauen Ritualen folgt und viele Ratgeber erklären, welche Gläser man verwenden soll, wie man verkostet und was man dazu essen sollte. Ein Whisky-Tasting läuft ganz ähnlich ab. In vier Schritten prüft man die Optik, den Geruch, den Geschmack und bewertet dann den Nachklang, das Finish. Doch warum schreiben wir dann von sieben Schritten zum perfekten Whisky-Genuss im Rahmen eines Tastings? Das liegt daran, dass das Drumherum auch stimmen muss. Wir beziehen die Auswahl und Reihenfolge des Whiskys, die richtigen Gläser und das Essen dazu mit ein. Doch jetzt genug der Vorrede, es geht ans Probieren!

Whisky-Tasting – die Vorbereitung

Natürlich übernimmt die Vorbereitung bei einem Whisky-Tasting, welches Sie außerhalb Ihrer eigenen vier Wände besuchen, der Hausherr bzw. Veranstalter. Doch es ist ein unglaubliches Vergnügen, wenn man für Freunde in den eigenen vier Wänden eines durchführt. Dann ist gute Vorbereitung natürlich wichtig und man muss nicht nur das Prozedere des Tastings kennen, sondern auch für das Drumherum sorgen. Dazu gehört nicht nur ein schönes Ambiente zu schaffen, sondern auch die Auswahl des Whiskys, das Bereitstellen der richtigen Gläser und das Kümmern um ein paar Häppchen und Getränke neben dem Whisky, vor allem gutem Wasser. Wir wollen diese vorbereitenden Schritte etwas näher erklären.

Die Auswahl des Whiskys

Es ist ganz selbstverständlich, dass Geschmäcker verschieden sind. Nicht jeder Ihrer Gäste wird einen Geschmack, ein Aroma wie das von Schokolade oder Karamell ebenso herausschmecken wie Sie. Vielleicht schmeckt Ihr Gast es gar nicht oder nimmt sogar eine gänzlich andere Note als dominierend wahr. Daran sollten Sie also ein erfolgreiches Whisky-Tasting nicht festmachen. Es geht eher darum, gemeinsam tolle Spirituosen zu entdecken, darüber zu plaudern und es sich einen Abend lang einfach gut gehen zu lassen. Bei der Auswahl der Whisky, die verkostet werden sollen, haben Sie ganz verschiedene Möglichkeiten. Sie können nur Whiskys einer Region verkosten, sehr gegensätzliche Whiskys miteinander vergleichen, unterschiedliche Whiskys aus einer Brennerei nacheinander probieren (zum Beispiel als Anstieg der Reifungsjahre) oder Sie stellen verschiedene Länder gegeneinander. Das ist ganz Ihnen überlassen.

Unser letztes Whisky-Tasting zu Hause beschäftigte sich mit den Whisky-Regionen Schottlands, denen wir auch hier im Whisky-Magazin einzelne Blogbeiträge gewidmet hatten. Aus jeder Region haben wir uns aber nur einen Whisky gegönnt, denn zu viele unterschiedliche Whiskys an einem Abend in ein Tasting zu zwängen, mindert das Erlebnis. Es ist nicht nur die reine Menge an Alkohol, die den Abend vielleicht mit einem unguten Gefühl ausklingen lässt, nein, auch ihre Geschmackssinne sind irgendwann überfordert und nehmen die unterschiedlichen Aromen und Feinheiten nicht mehr richtig wahr. Vier bis fünf Whisky-Sorten sind ein optimales Maß für einen gelungenen Whisky-Tasting-Abend.

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Die Reihenfolge der Whiskys

In der Auswahl der Whiskys, die bei der Verkostung den Gaumen kitzeln sollen, sind Sie also völlig frei. Doch in der Reihenfolge, in der die Whiskys probiert werden, sind Sie dies nicht. Es ist wirklich wichtig, die Whiskys zu sortieren und nicht wahllos durcheinander zu probieren. Beginnen Sie beispielsweise mit dem am stärksten getorften Whisky der Welt, einem Octomore von der Insel Islay und wollen dann die Feinheiten eines leichten Lowland-Whiskys ergründen, dann werden Sie bei diesem fast nichts mehr schmecken. Natürlich würde nicht nur ein Octomore den Geschmack des nachfolgenden leichten Whiskys beeinflussen, sondern auch jeder andere kräftige oder peated Whisky.

Deswegen gilt es, die Reihenfolge vorher festzulegen und zwar ansteigend mit dem Alkoholgehalt, der Kräftigkeit und dem Torfgehalt der unterschiedlichen Drams des Abends. Folgende Punkte können Sie sich zur Orientierung merken:

  • Blumige, leichte und fruchtige Whiskys sind ideale Starter beim Whisky-Tasting
  • Whiskys mit viel Holz, Gewürzen und Noten von Sherry, die ein kräftigeres Aroma haben, folgen danach
  • Als nächstes folgen die Whiskys mit einem hohen Alkoholgehalt, also ab 46 Volumenprozent. Auch Fassstärkeabfüllungen zählen dazu.
  • Ans Ende eines Whisky Tastings sollten Sie die torfhaltigen Whiskys setzen. Je torfhaltiger, desto weiter am Schluss sollten diese getrunken werden.

Auf dem Etikett der Flaschen finden Sie die Angaben zur Sortierung der Drams, wenn Sie sich etwas unsicher sind.

Das richtige Glas für das Whisky-Tasting

Sicherlich kennen Sie alle die dicken runden Gläser, Tumbler, aus denen Whisky so oft und vor allem im amerikanischen Film getrunken wird. Für ein Whisky-Tasting sind diese gänzlich ungeeignet. Und eigentlich sind sie auch nicht die beste Wahl, wenn man abends selbst einen Single Malt Whisky genießen möchte. Für einen Bourbon aber sind die Tumbler wiederum völlig in Ordnung.

Warum aber nicht wie die Helden im Film einen Tumbler mit einem Fingerbreit Whisky auf den Tisch stellen? Der Grund liegt in der Aromenentwicklung im Glas, welches wir mit Augen, Nase und Gaumen beim Tasting genießen wollen. Deswegen benötigen Sie bei einer Whisky-Verkostung zwingend Nosing-Gläser. Die bauchigen Stielgläser sind perfekt, um die Duftmoleküle aus dem Glas direkt in Ihre Nase aufsteigen zu lassen. Meist haben Sie ein Fassungsvermögen von 18 cl, aber 2 bis 4 cl Whisky sind das perfekte Maß sie zu füllen. Dann steht die goldene Flüssigkeit an einer Stelle mit maximaler Oberfläche.

Die richtige Trinktemperatur

Neben dem richtigen Glas kommt auch oft die Frage nach der Temperatur, mit der man beim Whisky-Tasting die Destillate kredenzt. Auch wenn man es häufig sieht: die meisten Whiskyliebhaber trinken ihren Whisky nicht mit Eis, sondern bei Zimmertemperatur. Das sollten Sie auch tun. Bei Zimmertemperatur entfalten sich die Aromen am besten. Eis bewirkt das Gegenteil.

Allerdings sollten Sie Ihre Zimmertemperatur durchaus einmal messen. Meist liegt sie doch über 20 Grad. Doch die alten Whiskyliebhaber vergangener Jahrhunderte, denen wir das tolle Getränk heute verdanken, hatten es bei weitem nicht so warm in ihren Häusern. man geht davon aus, dass ungefähr 16 bis höchstens 18 Grad herrschten. Probieren Sie Ihren Whisky also einmal bei dieser Temperatur. Um den Whisky bei Bedarf herunter zu kühlen, verwenden Sie bitte kein Eis, denn es verwässert nur. praktisch sind die Whisky-Steine aus Granit. Man bewahrt sie im Tiefkühlschrank auf. Diese Steine kommen ins Glas, wobei einer die Trinktemperatur genau um vier Grad absenkt. probieren Sie es ruhig einmal aus!

Das Essen zum Whisky

Eine Frage stellt sich noch – oder eigentlich zwei Fragen. Was serviere ich beim Whisky-Tasting neben den Drams zum Verkosten? Sie sollten auf ein reiches Buffet oder ein Menü zum Whisky verzichten. Natürlich ist dies möglich, doch es muss sehr ausgeklügelt sein, um die Geschmacksnerven nicht unnötig zu belasten, sodass man vom Whisky nicht mehr viel schmeckt. Vielleicht finden Sie in unserem Whiskyblog auch bald einmal einige Menüvorschläge mit Whisky. Doch heute geht es nur um da Tasting. Eine gute Grundlage davor kann allerdings nicht schaden. Planen Sie nur ein oder zwei Stunden ein, in denen Sie viel trinken und das Essen aus Ihrem Gaumen verdrängen.

Wenn wir schon beim Trinken sind: Stellen Sie genügend gutes Wasser bereit, denn zwischen den einzelnen Proben sollten Sie und Ihre Gäste natürlich auch immer neutralisieren. Manch einer träufelt auch ein wenig Wasser in den Whisky. In einem richtigen Maß – wirklich nur ein paar Tropfen – kann das Wasser den Geschmack noch zusätzlich heben. Dafür stellen Sie am besten ein gutes schottisches Quellwasser bereit. Auch ein Bissen dazwischen neutralisiert den Geschmack. Wir empfehlen, ein schönes dunkles, malzhaltiges Brot oder auch ein gutes Baguette zu servieren. Sie können auch mit einer Variation von Aufstrichen experimentieren. Achten Sie darauf, dass diese nicht zu scharf gewürzt sind. Eine Avocadocreme zum Beispiel eignet sich gut für den Happen zwischendurch.

Whisky-Tasting – der Ablauf

Nun kommen wir aber zur Hauptperson des Abends – dem Whisky! Das Whisky-Verkosten läuft in vier Schritten ab. Zunächst begutachtet man den Tropfen mit den Augen, danach wird am Whisky gerochen und erst dann ist der Gaumen dran. Wir gehen alle Schritte nacheinander durch und haben am Ende noch einen absoluten Expertentipp für Sie.

Die Optik

Sobald der Whisky im Glas ist, schauen Sie sich ihn genau an. Wie ist die Farbe des Whiskys? Ist er dunkelbraun, golden, strohgelb oder sogar fast klar? Die Farbe gibt oft einen ersten Aufschluss über die Reifung. Aromen können Sie durch das Betrachten nicht herausfinden. Ein dunkler Whisky kann kräftiger schmecken, muss aber nicht. Ein zweiter Punkt bei der Betrachtung des Whiskys im Glas ist die Schlierenbildung bzw. die Tropfenbildung nach dem Schwenken. Sie laufen am Glasinneren herunter und geben Aufschluss darüber, wie viskos der Whisky ist. Das heißt, Sie betrachten die Fließgeschwindigkeit der auch Tränen oder Kirchenfenster genannten Tropfen. Laufen diese beispielsweise sehr langsam herunter, dann hat der Whisky vermutlich sehr viele Öle und einen vollen Körper.

Whisky-Tasting-Nosing

Das Nosing

Den zweiten Schritt nennt man das Nosing. Hier geht es um den Duft des Wassers des Lebens. Sie riechen also am Glas, ehe Sie ihn probieren. Bedenken Sie dabei, dass es sich um ein hochprozentiges Getränk handelt. Wenn Sie also beherzt Ihre Nase tief ins Glas stecken und kräftig einatmen, werden die Alkoholdämpfe, die sich im Nosing-Glas perfekt sammeln, keinen Genuss bereiten. Führen Sie also die Nase ruhig über das Glas und riechen Sie vorsichtig daran. Zur Unterstützung können Sie nochmals schwenken. Dann lassen Sie das Glas etwa zwei Minuten stehen und heben es wieder zur Nase. Bewegen Sie es abwechselnd von der linken zur rechten Seite Ihrer Nase. Vielleicht werden Sie feststellen, dass Sie mit der einen Seite mehr Aromen feststellen können. Das ist bei vielen Menschen ganz normal. Oft haben wir in einem Nasenloch mehr und größere Rezeptoren als in dem anderen. Das ist ein bisschen wie Links- und Rechtshändigkeit.

Warum ist das Nosing so wichtig bei einem Whisky-Tasting?

Je intensiver Sie das Nosing durchführen – mit kleinen Pausen, mit einer Ablenkung vom Whiskygeruch, indem Sie kurz an etwas anderes wie beispielsweise Ihrer Haut reichen, desto mehr Aromen werden Sie wahrnehmen. Unsere Nase ist das Sinnesorgan, welches die meisten Geschmacksrezeptoren hat. Zudem sind Gerüche unmittelbar mit unserem Gehirn, unserem Gedächtnis verknüpft. Gerüche verknüpfen wir dann mit Essen, mit Erfahrungen von Geschmack, die wir einmal gemacht haben. So kommen in den Whiskybeschreibungen und den Tasting Notes Nuancen wie Käsekuchen, Butterkekse oder Toffee, aber auch Teer, Schokolade, Zedernholz und Tabak vor, die man mit einem Whisky im ersten Augenblick nicht verknüpfen würde. Probieren Sie es in Ruhe aus und lassen Sie Ihrer Nase Zeit, die Aromenvielfalt des Whiskys aufzunehmen.

Das Tasting

Jetzt kommt der Gaumen dran. Nehmen Sie einen ersten kleinen Schluck aus Ihrem Glas. Warten Sie ein wenig ab, denn zunächst wird sich der Alkohol in den Vordergrund drängen. Erst etwas später zeigen sich die vielen Aromen des Destillats auf der Zunge und im Gaumen. Dafür nehmen Sie einen zweiten Schluck, den sie im Mund etwas kreisen lassen. Manche Whiskyfreunde empfehlen, dabei Frischluft durch Ziehen und Schlürfen hineinzulassen. Es reicht aber auch, die Frischluft durch Einatmen mit der Nase in den Mundraum zu bringen. Sie werden merken, wie viele Aromen sich in Ihrem Mund ausbreiten. Ist Ihnen dennoch der Alkohol zu stark dabei, dann versuchen Sie es mit ein paar Tropfen Wasser im Whisky, welches Sie für diese Zwecke unserem Tipp folgend bereitgestellt haben.

Nicht vergessen! Ehe Sie den ersten Schluck nehmen, vergessen Sie niemals das „Prost“. Es gehört zum Ritual dazu. Verkosten Sie irischen oder schottischen Whisky, können Sie standesgemäß Slainte Mhath“ (gesprochen Slontsche wah) als Trinkspruch verwenden. Es bedeutet soviel wie Gute Gesundheit!

Das Finishing

Den Abgang, Nachklang oder das Finish zu bewerten, ist der letzte wichtige Bestandteil bei einem Whisky-Tasting. Im Gegensatz zum Wein dürfen oder müssen Sie den Whisky nämlich auch herunterschlucken. Hier merkt man, ob der Genuss ein schnelles Ende findet oder die Aromen lange nachhallen. Legt sich eine angenehme Süße an den Gaumen oder haben Sie eher ein trockenes, holziges Gefühl? Läuft der Whisky langsam und weich den Gaumen entlang oder brennt es?

Expertentipp für den perfekten Abschluss

Mit der Einschätzung des Abgangs ist das Tasting beendet. Doch wir haben noch einen tollen Tipp von einem Experten gefunden, den wir natürlich auch gleich ausprobiert haben. Um eventuell noch unentdeckte Aromen herauszufinden, drehen Sie das Glas nach dem Austrinken einfach um. Wichtig ist, dass Sie eine neutrale Abdeckung auf dem Tisch dafür liegen haben. Sie können auch die Öffnung des Glases abdecken. Lassen Sie nun das Glas etwa fünf Minuten lang stehen. In der Zeit können Sie sich ja mit den anderen Anwesenden über Ihre Eindrücke weiter unterhalten. Nun riechen Sie noch einmal an dem Glas. Es sind immer noch ein paar Tropfen darin, doch der Alkohol ist nun vollständig weg. An der Glaswand befinden sich nun nur noch Aromastoffe, die Ihnen eventuell noch einen ganz anderen Eindruck des eben verkosteten Whiskys geben.

Zwischen den Drams

Diese eben beschriebene Prozedere machen Sie nun mit all Ihren ausgewählten Whiskys für den Abend. Verwenden Sie entweder für jedes Destillat ein neues Glas oder spülen Sie die Gläser zwischendrin gründlich aus. Dies gilt ebenso für Ihren Gaumen, den Sie mit reichlich Wasser benetzen und zusätzlich mit einem Stück Brot neutralisieren. So wird der Abend ganz sicher in Erinnerung bleiben. Apropos Erinnerung. Sie werden feststellen, wie schnell Sie vergessen, was Sie eben noch gescheckt und gerochen haben. Praktisch und für einen späteren Austausch oder als Erinnerung an den Abend richtig schön sind kleine Tasting.-Kärtchen, auf denen Sie die Eindrücke zu jedem Dram festhalten können. Diese Kärtchen oder Zettel können Sie selbst vorbereiten oder unsere Vorlage downloaden.

Welche Geschmäcker und Aromen ein Whisky haben kann und wie diese beschrieben werden können, wie ein Whiskygeschmack sich auf einem Rad darstellen lässt und was Käsekuchen mit Whisky zu tun hat, sind Fragen, denen wir uns in einem nächsten Blogbeitrag zum Thema Aromenvielfalt des Whiskys widmen wollen. Doch nun bleibt es erst einmal nichts weiter, als Ihnen einen tollen Abend bei Ihrem ersten und sicher nicht letzten Whisky-Tasting zu wünschen.

 

 

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