River Spey in der Speyside Schottland

Speyside Whisky – die berühmteste Whiskyregion der Welt

Schottischer Whisky ist ganz sicher der bekannteste Whisky der Welt. Doch nicht jeder Schotte schmeckt wie der andere. Die fünf verschiedenen Whisky-Regionen in Schottland halten ganz unterschiedliche Arten von Whiskys für den Genießer bereit. Nicht nur Single Malt, Malt Whiskys und Blended Whiskys schmecken ganz unterschiedlich, sondern die Scotch Whiskys unterscheiden sich auch von Region zu Region des großen Whisky-Landes. Ein Grund mehr, uns neben der Fülle der schottischen Whiskys ausführlicher mit den Regionen, in denen er hergestellt wird, zu befassen. Beginnen wollen wir mit der Speyside in den schottischen Highlands. Aus der Speyside kommen mehr als die Hälfte der schottischen Whiskys und die Region war die Quelle des ersten Whisky-Booms. Speyside Whisky ist also genau der richtige, um unsere Ausflüge in die Whisky-Regionen Schottlands zu eröffnen.

Die Whiskyregion Speyside

Die Speyside trägt ihren Namen aufgrund des Flusses Spey, an dessen Ufern sich diese herrliche Landschaft erstreckt. Die Spey ist Schottlands zweitgrößter Fluss und bietet schon recht viel Platz für eine Vielzahl von Whisky-Brennereien. Doch das allein macht die Speyside noch nicht komplett. Viele kleinere Flüsse wie der Bogie, der Findhorn oder der Deveron und Distrikte und Städte wie das Livet, Dufftown, Rothes oder Elgin gesellen sich zur Region Whisky-Region Speyside dazu. Die Speyside ist nicht wie andere Whisky-Regionen geographisch oder sogar politisch-verwaltungsrechtlich abgegrenzt, sondern nur eine regionale Zusammenfassung der Brennereien, Böttchereien, Mälzereien und Blendern, die sich von den anderen Brennereien in Schottland abgrenzen.

Das klingt erst einmal etwas verwirrend, aber die Region Speyside gehört eigentlich zu den Highlands und stellt eben keine eigenständige Region dar. Sie gibt es wirklich nur für den Whisky, den Sie und wir eben als Speyside Whisky kennen. Derzeit zählen mehr als 60 Brennereien zur Speyside, die einen typischen Whisky produzieren, den man am Geschmack erkennt. Ob dies wirklich immer so ist, werden wir uns etwas weiter unten im Text, wenn es um den Geschmack des Speyside Whisky geht, noch genauer ansehen. Besonders gute Voraussetzungen für die Herstellung besonders hochwertiger und wohlschmeckender Whiskys hat die Region allemal. Hier findet sich herrlich klares Wasser, welches seinesgleichen sucht, ein vorzügliches Klima für eine herausragende Gerste und die Idylle einer unberührten Natur, die es so einfach macht, mit viel Liebe und Ruhe wundervolle Destillate entstehen zu lassen.

Craigellachie Bridge über den Fluß Spey in Schottland
Craigellachie Bridge über den Fluß Spey in Schottland

Speyside Whisky – königliches Getränk

Die Speyside ist die Wiege des ersten Whisky-Booms im 19. Jahrhundert. 1822 reiste King George IV. nach Edinburgh und entdeckte den legendären, aber illegalen Whisky. Produziert wurde der in Glen Livet in der Speyside. Sofort beauftragte er seinen Kammerherren, immer für Nachschub zu sorgen. Welcher Speyside Whisky es genau war, den der König probierte und ihm sofort verfiel, ist nicht bekannt. Der Glenlivet wird es wahrscheinlich nicht gewesen sein, denn die Brennerei mit dem so bekannten Namen gab es zu dieser Zeit noch gar nicht. Erst ein Jahr später beantragte Duke Alexander Gordon ein Gesetz, welches durch die Vergabe einer Lizenz und gegen Zahlung einer geringen Steuer, die Brennereien aus ihrer Illegalität holen sollte. Im Jahr 1824 war die Brennerei Glen Livet die erste, die von diesem Act Gebrauch machte und sich eine Lizenz zulegte. Viele folgten ihr nach. Lesen Sie auch die ganze Geschichte des schottischen Whiskys im Whisky-Magazin von Whisky-Fox.

Der Geschmack der Speyside

Gibt es eigentlich den typischen Speyside Whisky? Die Frage ist gar nicht so unberechtigt, liest man doch allenthalben, ein jeder Speyside Whisky würde grundsätzlich eher süß und fruchtig schmecken. Auch wenn da schon ein wenig Wahres dran ist, so stimmt es eben doch nicht ganz. Manche teilen die Speyside-Whiskys auch in zwei Gruppierungen auf. Einerseits die sehr leichten und etwas grasigen wie der Glenvilet und andererseits die Sherry-geschwängerten wie den The Macallan oder den Glenrothes. Grundsätzlich kann man sagen, dass neben des herausragenden Wassers in der Speyside nur sehr schwach getorftes Getreide in den Whisky kommt. Daher finden sich nur wenige stark getorfte Whiskys. Doch wie immer gilt auch hier: Ausnahmen bestätigen die Regel. The Bendriach und Ballantruan sind kräftige Peated Whiskys aus der Speyside.

Um den Geschmack von Speyside-Whisky etwas detaillierter aufzudröseln als sie generell in süß und leicht einzuordnen, folgen wir gern einer schönen Einteilung, die wir bei The Whisky Wash gefunden haben. Hier werden die verschiedenen Whiskys aus der Speyside-Region in vier Gruppen eingeteilt, die wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten wollen.

Hell und Blumig

In die Kategorie hell und blumig fällt Speyside-Whisky, der frisch, aromatisch und knackig schmeckt. Oft findet man hier reife und grüne Fruchtaromen von Birnen und Äpfeln. Dazu gesellen sich florale Noten und eine feine, aber nicht aufdringlich und schwere Süße. In diese Gruppe gehören zum Beispiel die Scotch Whiskys von Glen Spey, Knockando und Glen Livet. Auch der Glenfiddich 12 Years kann dazugezählt werden, auch wenn er einen Touch vom Sherry-Fass hat. Allerdings haben manche Destillerien auch ein sehr großes und unterschiedliches Portfolio, sodass zum Beispiel der Glenlivet Nadurra Oloroso oder der Nadurra First Fill Oak nicht in diese Gruppe passen.

Fruchtig und Würzig

Die fruchtigen und würzigen Speyside-Whiskys in dieser Gruppe sind etwas weicher als die der frischen, blumigen Whiskys. Hier finden Sie fast überreife Früchte, fast wie Backobst oder Dörrobst wie Rosinen. Diese Gruppe der Scotch Whiskys aus der Speyside hat einen mittleren Körper und ein ausgeprägteres Holzaroma. Die Süße ist nicht so hintergründig, sondern sticht schon etwas hervor mit einer Tendenz zur Schwere. Honignoten setzen die Elemente von Gewürzen in Szene und der Geschmack erinnert oft an einen Kuchen. Vertreter dieser Gruppe sind zum Beispiel Cardhu, Glen Elgin, aber auch Craggamore und Glendullan.

Reich und Rund

Jetzt kommen wir zu den richtig tiefen, süßen und reichen Aromen der Speyside. Getrocknete Früchte, Nüsse und ausgeprägte Sherry-Noten machen diese Gruppe der Whiskys aus. Whiskys wie der Aberlour, Glenfiddich, Balvenie oder der Macallan bringen Gewicht und ein subtanzielles Mundgefühl mit. Aber auch bei den süßen Sherry-Whiskys gibt es noch Abstufungen zwischen denen, die nur im Sherry-Fass gereift sind und denjenigen, die in Fass-Kombinationen reifen. Ganz unterschiedliche Tiefen und Schwere vom Sherry entstehen durch die Verwendung der unterschiedlichen Fässer. Fino oder Oloroso, eine Mischung aus Eiche und Sherry-Fass oder gar eine Vollendung mit einem Pedro Ximenez-Fass aus Spanien, welches auch oft in der Whisky-Region Islay, zum Beispiel beim Bowmore The Devil’s Cask verwendet wird – die Möglichkeiten sind schier unendlich und die Master in den Brennereien zaubern eine faszinierende Vielfalt für die verschiedensten Gaumen der Whisky-Liebhaber.

Vollmundig und Rauchig

Die letzte Gruppe ist die der rauchigen und torfigen Whiskys. Wir haben schon erwähnt, dass sie eher nicht so typisch für die Speyside sind, aber es sie trotzdem vereinzelt gibt. Der Geschmack einiger Whiskys wie dem Ardmore Tradtional Cask Expression, Benromach oder auch BenRiach ist typischerweise eher in die Highlands und die westlichen Inseln eingruppiert. Hier finden wir auch eine Destillerie, die nicht eindeutig eingeordnet ist: die Ardmore Distillery. Sie liegt quasi mitten auf der Grenze zwischen Speyside und Highlands, bezieht ihr Wasser vom Knockando Hill und wird aber von den meisten Whisky-Liebhabern zu den Highland-Whiskys gezählt. Streiten kann man sich da aber. Der rauchige Whisky aus der Speyside hat ein trockeneres, erdigeres und blumigeres Torf in sich als die typischen Islay-Whiskys oder die Peated der westlichen Highlands.

Bekannte Destillerien in der Speyside

In der Speyside finden sich die höchste Dichte an Whiskybrennereien. Einige der bekanntesten wollen wir Ihnen in diesem Beitrag kurz vorstellen. Sicher werden wir uns im Whisky-Fox-Blog auch noch detaillierter mit einzelnen Destillerien beschäftigen und besondere Whiskys vorstellen. Zudem finden Sie weiterführende Informationen zu den hier erwähnten Whisky-Brennereien in unserem Online-Shop. Folgen Sie dafür einfach dem farbig unterlegten Link.

Aberlour Whisky Brennerei

Der Aberlour-Whisky wird in der gleichnamigen Stadt mitten im Herzen der Speyside gebrannt. Sie wurde 1826 gegründet und brannte zwischenzeitlich vollständig nieder. Wiederaufgebaut von James Flemming gehört sie heute wie so viele zum Konzern Pernod Ricard. Aberlour Whisky ist perfekt für die Liebhaber von eher süßem Whisky. Alle Abfüllungen reifen vollständig oder in Teilen in Weinfässern oder Sherryfässern. Aberlour-Whsiky finden Sie auch bei unabhängigen Abfüllern wie Signature oder Duncan Taylor.

Cardhu Whisky Brennerei

Schon 1811 begann das Ehepaar John und Helen Cummings den Cardhu zu brennen. Damals noch illegal und die Brennerei hieß noch Cardow. Erst im Jahr 1987 wurde sie in Cardhu umbenannt. Heute gehört die Whisky-Destille zu Diageo. Die Cardhu-Whiskys sind ein wichtiger Bestandteil des Johnnie Walker Blends. Unter dem eigenen Label werden Single Malts vertrieben, die süßlich, fast schon sirupartig und sehr weich sind.

Cragganmore Whisky Brennerei

Die Cragganmore Brennerei liegt in Ballindaloch, gar nicht so weit davon entfernt finden sich auch die Glenlivet- und die Glenfarclas-Brennerei. Die Gründer der Brennerei waren vorher bei Glenfarclas und schickten im Jahr 1887 die ersten 300 Flaschen ihres eigenen Whiskys auf die Reise. Auch sie gehört dem großen Konzern Diageo und wird von diesem auch mit Malz aus Elgin versorgt. Der 12-jährige aus dem Hause Cragganmore ist seit einiger Zeit in der Liste der schottischen Classic Malt Whiskys.

Glenfarclas Whisky Brennerei

Die Glenfarclas Whisky Brennerei wurde im Jahr 1836 von Robert Hay gegründet und ist noch heute in Familienbesitz. Die Nachfahren von John Grant, der 1865 die Destille kaufte, führen das Unternehmen. Dieser Speyside Whisky reift sehr häufig in Sherry-Fässern, was man dann auch schmecken kann. Ein schöner öliger Charakter und eine tolle Süße in einem ganz traditionellen Stil – das ist Glenfarclas Whisky.

Glenlivet Whisky Brennerei

Die Glenlivet Brennerei liegt im Tal des Flusses Livet und ist die erste legale Brennerei in der Speyside. Der Glenlivet Whisky zählt heute zur geschmacklichen Oberklasse Whiskys aus der Speyside. Seit 1880 hat das Unternehmen auch die Exklusivrechte an dem Namen Glenvilet. Das ist insofern bedeutsam, als viele andere Whisky-Hersteller ihren Whisky statt mit Speyside mit der regionalen Bezeichnung Glen Livet kennzeichneten. Auch The Glenlivet gehört heute zum französischem Konzern Pernod Ricard.

Glenrothes Whisky Brennerei

Auch die Glenrothes Whisky Destillerie liegt mitten im Herzen der Speyside. 1879 wurde der erste Glenrothes Whisky gebrannt. Die Brennerei arbeitet nicht mit Altersangaben, sondern ist vor allem für ihre Jahrgangwhiskys bekannt. Sie sind immer ganz speziell, reifen in spanischen Sherry-Fässern und teilweise in amerikanischer Eiche. Neben den eigenen Abfüllungen ist der Whisky aus der Stadt Rothes in Morayshire vor allem bei Blendern sehr beliebt.

Macallan Whisky Brennerei

Die Macallan Whisky Brennerei liegt direkt am Fluss Spey in der Ortschaft Easter Elchies. Wie auch Glenlivet bekam Macallan schon im Jahr 1824 eine Lizenz für das Destillieren von Whisky. Macallan wurde und wird sehr häufig für Blended Whisky eingesetzt, füllt aber auch eigene Malt Whiskys ab. Der Speyside Whisky wird seit 2012 nicht mehr mit Alterangaben auf den Markt gebracht, sondern kommt als 1824 Series in den Verkauf. Hierbei liegt der Fokus auf der Farbe des Whiskys, die rein natürlich entsteht. Die vier Farbnuancen heißen Gold, Amber, Sienna und Ruby.

Balvenie Castle in Dufftown Schottland
Balvenie Castle in Dufftown Schottland

Whisky-Hauptstadt Dufftown

Vielleicht haben Sie jetzt schon den ein oder anderen Speyside Whisky in unserer Vorstellung bekannter Brennereien vermisst. Das liegt einerseits daran, dass wir unmöglich alle aufzählen können, aber andererseits auch an einer ganz speziellen Stadt in der Speyside, der wir einen eigenen Abschnitt widmen wollen – Dufftown. Dufftown ist die Welthauptstadt des Whiskys. Hier wurden sieben Whisky-Brennereien erbaut. Ein schöner Spruch der Menschen in Dufftown lautet: Rome was built on seven hills, Dufftown stands on seven stills. Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut, Dufftown steht auf sieben Brennblasen. Heute sind es nur noch sechs Whisky-Brennereien, da die Parkmore-Destillerie mittlerweile geschlossen ist. Aber auch das ist immer noch eine ganze Menge für so ein kleines Städtchen mitten in Schottland.

Das Städtchen Dufftown selbst ist kein besonders alter Ort. Die Stadt wurde erst 1817 von James Duff, dem vierten Earl Of Fife, gegründet und nach sich selbst benannt. Der ursprüngliche Ort ist Mortlach, dessen Geschichte weit über 1000 Jahre alt ist. Als Duff in der Nähe Unterkünfte für heimkehrende Soldaten baute und so Dufftown entstand, wurden die kleinen Orte, unter anderem Balvenie mit dem wunderschönen Castle, einfach eingegliedert.

Die Destillen in Dufftown:

  • Balvenie
  • Dufftown
  • Glendullan
  • Glenfiddich
  • Kininvie
  • Mortlach

Trotz der vielen Brennereien, unter anderem die weltweit bekannte Glenfiddich Whisky Brennerei, und der Berühmtheit des Ortes kann man in der Stadt nur eben diese Whisky-Destillerie auch besichtigen. Doch natürlich gibt es ein Dufftown Museum, in dem es sich neben der Geschichte der Stadt vor allem um Whisky dreht. Abseits des Whiskys, wobei dieser sicher bei diesem Event durchaus getrunken werden dürfte, sind auch die Dufftown Highland Games, die immer am letzten Samstag im Juli stattfinden, eine Reise wert. Dufftown ist als Hauptstadt des Whiskys auch der Hauptort des legendären Speyside Whisky Trail, dem wir einen eigenen Blogbeitrag widmen.

 

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