Schottland- Schottischer Whisky

Schottischer Whisky – Geschichte des Nationalgetränks

Schottland ist das Whisky-Herstellungsland schlechthin. Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Destillerien als dort. Scotch Whisky ist das Nationalgetränk der Schotten und schottischer Whisky hat seinen Siegeszug mittlerweile über die ganze Welt angetreten. Scotch und Malt sind Inbegriffe der Whisky-Kultur geworden. Doch wie kam es zu dieser inbrünstigen Leidenschaft um die goldene Flüssigkeit? Wenn man sich die Geschichte von Schottland anschaut, stößt man auf die Geschichte des Whiskys und versteht die Hingabe und die hohe Verbreitung des Getränks. Kommen Sie mit uns auf eine Reise durch Schottland und die Geschichte des Whiskys.

Die Ursprünge des schottischen Whiskys

Nicht nur ein Schotte, sondern auch jeder andere wird auf die Frage, wo der Whisky eigentlich herkommt, sofort mit Schottland antworten. Doch ist das wirklich so? Böse Zungen behaupten ja, dass der Whisky zuerst in Irland gebrannt wurde und erst dann nach Schottland getragen wurde. Dann stellt sich aber sogleich auch die Frage, wie die Kunst des Destillierens, der Extraktion des Alkohols, auf die britischen Inseln gekommen ist. Wir zeichnen den Weg des Whiskys nach und erzählen Ihnen eine Geschichte, die aus vielen Geschichten und vielleicht auch Vermutungen und Sagen zusammengesetzt ist. Denn wie so einiges von der Entwicklung in Schottland, liegen auch die Anfänge der Whiskyherstellung ein wenig im Dunkeln.

Die uralte Kunst der Destillation

Die Grundlage für die Whiskyherstellung liegt wohl in Mesopotamien. Im Zweistromland gelang höchstwahrscheinlich das erste Mal die Destillation von Alkohol und breitete sich über den gesamten Vorder- und Zentralasiatischen Raum aus. Die Destillate wurden aber weitem nicht getrunken, sondern dienten als Grundlage für die Parfüm- und Medizinherstellung. Der Begriff Alkohol leitet sich daher auch aus dem arabischen al-kuhl ab. Das Wissen über die Destillation breitete sich über die Handelswege und die Missionare der christlichen Kirche und deren Reisen bis nach Europa aus.

Der Weg des Whiskys auf die britischen Inseln

Der Legende nach soll der Missionar und Schutzpatron Irlands, St. Patrick, dieses Wissen nach einer Reise nach Frankreich auf dem Rückweg mit auf die Insel, nach Irland gebracht haben. Daher beanspruchen die Iren auch die Entdeckung des Whiskys für sich. Die Schotten kontern freilich damit, dass St. Patrick in Dumberbarton geboren wurde. Das bedeutet, dass er also ein Schotte ist und somit auch ein Schotte für den ersten Whisky auf der Insel verantwortlich sei. Diesen alten Streit um den Ursprung des Whiskys wird es wohl für immer und ewig geben. Recht sicher ist aber, dass es christliche Mönche waren, die die dort ansässig gewordenen Kelten missionieren wollten und das Wissen über die Destillation so mit ins Land brachten. Eine Legende behauptet aber auch, dass die Kelten von sich aus die Kunst des Destillierens entdeckten und das aqua vitae (lateinisch) bzw. das uisge beatha (gälisch), das Wasser des Lebens produzierten.

Immerhin steht unumstritten fest, dass ab dem 4. Jahrhundert in den irischen Klöstern Alkohol aus Getreide destilliert wurde. Die Mönche tranken den Alkohol nicht, dafür stellten sie aber vor allem Medizin und allerlei Wässerchen und Tinkturen daraus her. Erst Jahrhunderte später, als in Irland schon fleißig gebrannt wurde, erreichte das Wissen um die Destillation auch Schottland. Auch dies ist wieder irischen Mönchen zu verdanken, die äußerst reisefreudig waren.

Schottland Whisky Regionen Karte

Whisky in Schottland

Der englische König Henry Plantagenet, besser bekannt als Henry II., eroberte im Jahr 1171 Irland. Die britischen Soldaten sind in dieser Zeit wohl das erste Mal mit dem Lebenswasser der Iren in Berührung gekommen. Sie konnten den gälischen Namen nicht aussprechen und nannten das Wasser Whiskey. Doch es dauerte noch einmal 300 Jahre, bis uisge beatha in Schottland das erste Mal erwähnt wird. Ein Mönch, der Malz kaufte, wurde im Jahr 1494 in den Steuerbüchern erfasst. Er brauchte es, um im Namen des Königs James IV. ein Wasser namens Aquavite zu brennen.

Der Kauf von eight balls of malt durch den Klosterbruder John Cor, setzte also den Ursprung der nachweislichen Produktion von Whisky in Schottland. Ob es auch ebenjener war, der James zu Kopfe gestiegen ist, als er es wagte, das englische Königreich unter Heinrich VIII. anzugreifen, ist nicht nachgewiesen, führte allerdings zu einer der größten Niederlagen des schottischen Empires in der Geschichte.

Die Verbreitung des Whisky und die Zeit der Schwarzbrennerei

In der Schlacht am Flodden Field verlor das Volk der Schotten seinen König James. Doch es gesellte sich noch mehr Unglück dazu. Heinrich geriet in einen üblen Streit mit Papst Clemens VII., was schlussendlich dazu führte, dass sich Henry zum Oberhaupt der englisch-anglikanischen Kirche ernannte. Die Schotten, höchst katholisch, wollten ihren Glauben behalten, doch Heinrich rächte sich und zerstörte viele bedeutende Klöster. Mit der Reformation wurden auch die letzten Zufluchtsstätten der katholischen Geistlichen in Schottland unbedeutend und man zwang die Mönche zu gemeiner Arbeit. So gelangte das Wissen über die Whisky-Produktion unter das normale Volk.

Viele Bauern begannen nun ihren Überschuss an Gerste, eine der Grundzutaten für die Whisky-Herstellung, zu diesem starken Brand zu verarbeiten. Sie verkauften den Alkohol, um ihre Pacht bezahlen zu können. Bald schon reichten die Vorräte an Getreide nicht mehr aus, um die Bevölkerung zu ernähren, da das Geschäft mit dem Schwarzgebrannten viel lukrativer war. 1579 wurde ein Gesetz erlassen, dass es nur noch adligen Clans erlaubte, Whisky zu brennen. Die Kontrolle war, wie Sie sich denken können, natürlich überaus schwierig, so dass die Schwarzbrennerei in Schottland weiter florierte.

Die Einführung der Alkoholsteuer

Im Jahr 1644 führte Oliver Cromwell eine Alkoholsteuer ein. Vordergründig sollte sie zur Finanzierung des Krieges gegen König Karl I. dienen, doch sicherlich auch den positiven Effekt haben, dass die Schwarzbrennerei zum Erliegen kommt. Aber auch die wenigen Steuereintreiber standen wie die Kontrolleure vor einer nicht zu bewältigenden Aufgabe. Immerhin schätzte man die Zahl der illegalen Whisky-Brennereien in Schottland im 17. Jahrhundert auf ungefähr 14.000. Nach dem Ende der Herrschaft von Cromwell wurde die Steuer auch sogleich wieder abgeschafft.

1707 wehrten sich die schottischen Bürger vehement gegen eine total überzogene Malz-Steuer, die von den Steuereintreibern mit militärischem Schutz versucht wurde, einzuziehen. Schwarzbrenner sollten vor Gericht gestellt werden. Doch die mächtigen Clans der Highlands und auch die katholisch-schottische Kirche stellten sich schützend vor die Bürger. Auch nachfolgende Maßnahmen zur Eindämmung der Brennerei von Whisky, erzielten immer das Gegenteil. Whisky war zwar spät in Schottland angekommen, aber schnell ein Traditionsgetränk und Kulturgut, für das es nicht nur zu streiten, sondern auch zu kämpfen und zu lynchen lohnte.

Auch Belohnungen in einer unfassbaren Höhe von 5 Pfund, halfen nicht, das Schwarzbrennen zu vertreiben. Es wird berichtet, dass diese Belohnungssumme sogar schamlos eingestrichen wurde, ohne jemanden wirklich anzuzeigen. Wie das funktionierte, fragen Sie sich jetzt? Wir erklären es kurz. Wollte oder musste man in einer Brennerei eine neue Destille anschaffen, verließ man die alte und zog einen Ort weiter. Dann zeigte man die alte Brennerei als Schwarzbrennerei an, steckte das Geld ein und konnte sich dafür ganz neues Equipment für die eigentlich alte Brennerei, nur am neuen Ort, kaufen. Schlau, diese Schotten.

Die neue Whiskysteuer im Jahre 1823 in Schottland

Das wilde Treiben mit dem Whisky ging also trotz aller Versuche, die Schwarzbrennerei und den Schmuggel einzudämmen, munter weiter. Erst im Jahr 1823 wurde dann der Schritt in die Legalität gemacht. Duke Alexander Gordon beantragte ein Gesetz, um durch eine Lizenzgebühr und eine recht geringe Steuer, Einnahmen zu generieren und gleichzeitig den Brennereien einen Weg aus der Verfolgung anzubieten. Außerdem musste der Destillierkolben eine Mindestgröße haben.

Der Erfolg des Exicise Act stellte sich rasch ein. Viele Brennereien ergriffen die Gelegenheit. Als eine der ersten kaufte sich The Glenlivet eine Lizenz, es folgten Glendroach, Bowmore. Lagavulin, Cardhu und viele weitere. Schon 11 Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Legalisierung gab es nur noch 700 Schwarzbrennereien in Schottland. Durch die Einführung der Standards des Kolbens, das Herausheben der Brennereien aus den diffusen Geschäften mit dem Whisky und nicht zuletzt durch Weiterentwicklungen des Brennverfahrens durch Patent Stills (auch Coffey Stills oder Column Stills), die eine kontinuierliche Destillation ermöglichten, wurde der Whisky der offiziellen Brennereien immer besser. Den der Schwarzbrennereien wollte auch bald keiner mehr trinken.

Durch die Destillation in Column Stills (mehrere hintereinander geschaltete Pot Stills) wurde die Produktion günstiger und es konnte ein Destillat mit höherem Alkoholgehalt als in einzelnen Pot Stills erzeugt werden. Übrigens darf per Gesetz ein Single Malt Scotch Whisky nur in Pot Still- Anlagen destilliert werden, um die Qualität weiterhin zu sichern.

Single Malt Whisky

Beliebter als Single Malt – der Blended Whisky

Es entwickelten sich auch bald Spezialisierungen. In den Lowlands fing man an, Grain Whisky herzustellen, aus dem Pioniere wie Andrew Usher die ersten Blends entwickelten. Man verschnitt Malt und Grain und es entstand ein nicht ganz so schwerer Whisky mit hoher und vor allem gleichbleibender Qualität. Der Blended Whisky war auch günstiger als die Malts und die irischen Whiskys, was nicht unwesentlich zum rasanten Aufstieg beigetragen hat. Unter den Pionieren, die den sehr rohen und schweren Whisky verschnitten, sind auch drei Gemischtwarenhändler, deren Namen Ihnen sicherlich geläufig sind. John Walker aus der Nähe von Glasgow, James und John Chivas aus Aberdeen und George Ballantine aus Edinburgh begannen, mehrere Malts zu verschneiden und stehen bis heute für ausgezeichnete Blended Whiskys mit ihrem Namen.

Schottischer Whisky – von der Prohibition zur Malt-Renaissance

Einen herben Rückschlag erlitt das Geschäft mit dem Whisky allerdings im Jahr 1998. Die Firma Patison erwarb große Mengen Whisky und verschnitt sie zu Blended Whisky. Das Unternehmen stieg rasch auf und vergrößerte sich mit zahlreichen neuen Destillerien. Irgendwann überstieg die Whiskyproduktion den eigentlichen Bedarf und es kam, was kommen musste: der finanzielle Kollaps. Die Pleite von Patison zog viele der Vertragsbrennereien mit ins Verderben.

Ein Name, der Ihnen ganz sicher auch nicht unbekannt ist, erwies sich hier als Vorreiter für die unabhängige Produktion und den Vertrieb von Whisky: William Grant von Glenfiddich. Er gründete einen Whiskyladen und bald darauf ein Exportbüro und machte den schottischen Whisky über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Bald schon hatte er Niederlassungen in Kanada und den USA aufgebaut.

Schottischer Whisky profitierte auch von der Prohibition in Amerika. Einige Whisky-Brennereien, wie viele in der Region Campbeltown, mussten in den 13 Jahren herbe Verluste verkraften, da sie fast ausschließlich vom Export nach Amerika lebten. Aber für viele weitere war die Prohibition und der aus ihr resultierende Schwarzmarkthandel ein wahrer Segen, um sich in Amerika auf feste Füße zu stellen.

Die Renaissance des Single Malt-Whiskys

Schottischer Whisky war über Nacht in der ganzen Welt bekannt, vor allem aber als Blended Whisky. Auch für die Wiederentdeckung des Single Malt zeichnet sich der Name Grant verantwortlich. Das Unternehmen beschloss im Jahr 1965, den Single Malt wieder in das Blickfeld der Whiskytrinker zu rücken. Trotz des Gespötts, welchem sich Grant & Sons aussetzen musste, behielt der Whiskyproduzent mit seiner Einschätzung, dass die Single Malts aus Schottland ihre Liebhaber finden werden , Recht. Heute ist Grants Glenfiddich der meistgetrunkene Single Malt der Welt. Zur Wiederbelebung trugen aber auch viele Abfüller bei, die einzelne Single Malts, die sonst nur im Blended Whisky landeten, als Produzentenabfüllung auf den Markt brachten.

Der Single Malt steht heute für den schottischen Whisky, auch wenn 90 Prozent der getrunkenen Whiskys auf der Welt Blended Whiskys sind und nicht wenige davon eben auch aus Schottland kommen. Genau betrachtet, werden auch die Single Malts aus mehreren Whiskys verschnitten, aber es handelt sich dabei immer um Whiskys aus derselben Destillerie. Ein reiner Single Malt ist ein Single Cask. Aber darüber reden wir ein nächstes Mal. Der Single Malt hat einen eigenen Blogbeitrag mehr als nur verdient.

 

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