Landschaft in den Lowlands Schottland

Lowland Whisky – die sanfte Seite Schottlands

Die Lowland Ladies, wie man den Whisky aus der Region Lowlands in Schottland auch gern einmal nennt, zeichnen sich durch ihren besonders sanften Geschmack aus. In der Region fehlt es an Torf, sodass bei der Whisky-Herstellung im Prinzip komplett auf diesen verzichtet wird. Zudem befinden sich alle Destillerien im Inneren der Region und kein Salzhauch zieht durch die Fässer, während der Whisky reift. Nur noch wenige Destillerien finden sich in der Region, doch in den letzten Jahren wurden drei neue alte Brennereien wiederbelebt und Whiskyfreunde warten auf die Ergebnisse der neu angestoßenen Produktion. Kommen Sie mit uns auf eine Reise ins südliche Schottland und lernen Sie den Lowland Whisky kennen.

Die Whiskyregion Lowlands

Die Lowlands sind das südlichste und bevölkerungsreichste Gebiet Schottlands. Es liegt nördlich der englischen Grenze an einer Linie zwischen Greenock im Westen und Dundee ganz im Osten. Die Lowlands sind kein offizieller geographischer und administrativer Bereich Schottlands, sondern mehr eine kulturell und historisch gewachsene Region. Im Gälischen wird die Region Ghalldachd genannt, was soviel heißt wie Ort des Fremden. Die gedachte Highland Line, die die Lowlands von den Highlands trennt, wurde einst vom britischen Parlament bestimmt. Die natürliche Trennlinie zwischen den Highlands und den Lowlands ist der Highland Boundary Fault, eine geologische Verwerfungslinie, die beide Regionen vor Millionen von Jahren durch einen Höhenunterschied von bis zu 4000 Metern voneinander trennte. Noch heute gibt es einige Markierungspunkte, an denen man diese Grenze sehen kann. Doch zum größten Teil sind diese Spuren mittlerweile verschwunden. Die Auswirkungen aber sind deutlich sichtbar.

Südlich des Highland Boundary Fault ist fruchtbares Land entstanden, die Agrarwirtschaft blüht und das Land ist mit Flüssen und Wasserstraßen durchzogen. Die Lowlands sind der Gegenpol zu den urwüchsigen und etwas ruppigen Highlands. Blühendes, fruchtbares Land, weite Felder und hügelige Landschaften prägen das Bild, die Lowlands sind voller Leben. Hier lebt auch der größte Teil der Bevölkerung Schottlands, die größten Städte finden Sie hier, Edinburgh und Glasgow liegen in den Lowlands, aber auch kleine idyllische Örtchen wie Jedburgh, Dryburgh oder Kelso.

Whisky in den Lowlands

In den Lowlands gibt es eher wenige Brennereien, vor allem sehr wenige Malt-Whisky-Destillerien, Das liegt zum einen wohl an den landschaftlichen Gegebenheiten, denn es fehlt der typische Torf, das Heidekraut und die Salzluft, was beispielsweise den Highland Whisky so stark ausmacht, zum anderen aber sicherlich auch in der geschichtlichen Entwicklung. Zu Zeiten der Schwarzbrennerei gab es in den Lowlands weitaus weniger Verstecke zwischen Berghängen und an unzugänglichen Stellen, an denen illegal und unentdeckt Whisky destilliert werden konnte.

Dennoch liegen in den Lowlands die größten Brennereien, denn seit dem Vormarsch der Speyside und der Highland Malts konzentrierten sich die Destillen in den Lowlands auf die Herstellung von Grain Whisky, der in vielen schottischen Blended Whiskys zu finden ist. Im 19. Jahrhundert war gar die gesamte Produktion ausschließlich für Blends ausgerichtet. Die größten Grain-Whisky-Brennereien sind heute North British, Strathclyde und Cameronbridge.

Heute finden Sie nur noch drei große Brennereien, die Single Malt Whisky produzieren. Das sind die beiden großen Destillerien Glenkinchie und Auchentoshan und die Bladnoch- Brennerei ganz im Süden. Doch in der jüngsten Zeit haben sich wieder drei neue Destillerien dem Single Malt Whisky verschrieben. Auf dem ehemaligen Gelände der William Grant & Sons Girvan Distillery brennt Ailsa Bay wieder Single Malt und eine kleine Mikrobrennerei namens Daftmill produziert ganz idyllisch auf einer Farm in Fife. Die dritte Malt-Brennerei heißt Annandale und wurde ursprünglich im Jahr 1919, wie so viele andere auch, geschlossen und produziert nun seit 2014 wieder Malt Lowland Whisky. Zudem gibt es noch Malts von längst geschlossenen Destillerien wie der Rosebank oder Ladybourn. Leider werden diese immer seltener, aber sie sind überaus kostbar, was man auch am Preis deutlich merkt.

Hafen von Campbeltwon Lowlands Whisky
Blick auf Campbeltown

Campbeltown und der Lowland Whisky

Nicht nur in Edinburgh, wo heute nur noch das Whisky Heritage Center Besucher zu einer Zeitreise in die Geschichte des Lowland Whisky einlädt, sondern auch in Campbeltown ist die Whisky-Produktion heute vollständig zum Erliegen gekommen. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts war das Städtchen noch eine eigenständige Whiskyregion. Ungefähr 30 Destillerien produzierten hier Whisky. In den Zeiten der Schwarzbrennerei war Campbeltown ein Mekka der illegalen Whiskybrenner. Mit der Möglichkeit der lizensierten Produktion bekam das Städtchen noch mehr Aufwind, denn der Hafen begünstigte den Export. Vor allem in die USA wurde der Lowland Whisky geliefert. Doch als dort die Zeit der Prohibition begann, brach dieser Absatz komplett zusammen. Hinzu kam, dass der Lowland Whisky besonders bei den Blendern beliebt, der Whisky aus Campbeltown aber recht ölig war. Die großen Blender griffen bald lieber nach dem Speyside-Whisky. Campbeltown verschwand quasi von der Whisky-Karte, insbesondere der Malt-Whisky-Karte.

Auch die immer wiederkehrenden Versuche, die Glen Scotia Brennerei wieder aufleben zu lassen, konnten Campbeltown nicht wieder zu dem Ruhm verhelfen, den es einstmals als heimliche Whisky-Hauptstadt hatte. Zwar wird nach langer Geschichte von Schließungen und Konkurs wieder Glen Scotia hergestellt, doch kommt man an frühere Zeiten auch hinsichtlich der Qualität nicht mehr heran. Seit 1995 werden jährlich wieder ungefähr 80.000 Liter fein salziger und frischer Whisky produziert. Geblieben ist, dass Campbeltown noch immer als eigenständige Whisky-Region in Schottland geführt wird – auch, wenn soviel und so guter Whisky hier gar nicht mehr destilliert wird.

Lowland Whisky – der Geschmack der Region

Wir haben eingangs schon davon gesprochen, dass man den Lowland Whisky auch Lowland Ladies nennt. Das liegt an seinem sehr milden und zarten Charakter. Whisky aus den Lowlands hat ein klar definiertes Geschmacksbild. Es gibt sehr wenig Torf im Süden Schottlands, weswegen beim Darren des Getreides bei der Whisky-Herstellung zumeist auf Torf verzichtet wird. Wenn, dann findet sich nur mehr wenig Torf-Aroma in den Lowland Whiskys. Außerdem befinden sich die Brennereien alle im Inland. Das führt dazu, dass sich bei der Reifung keine Salzaromen in den Fässer bewegen.

Im Großen und Ganzen zeichnet sich der Whisky aus der Region durch einen grasigen, frischen und zitronigen Geschmack aus. Er beginnt süß und endet dann relativ trocken. Die weichen Töne und der sanfte, feminin anmutende Geschmack sind besonders bei Einsteigern sehr beliebt. Das liegt auch an der Dreifach-Destillation, die in den Lowlands noch sehr verbreitet ist. Ein Lowland Single Malt schmeckt ein bisschen nach einem irischen Whisky, die auch traditionell dreifach destilliert werden. Die Dreifach-Destillation ist allerdings in den Lowlands auf dem Rückzug. Durchgängig dreifach gebrannt wird nur noch in Auchentoshan.

Lowland Whisky – Bekannte Destillerien

Natürlich wollen wir Ihnen auch einige bekannte Destillerien aus den Lowlands näher vorstellen. Wir begegnen Malt-Brennereien, aber sehen uns auch einige große Grain Whisky-Produzenten an. Und zu guter Letzt wollen wir Ihnen auch bereits geschlossene Whisky-Destillen ans Herz legen, deren Brände mittlerweile sehr selten geworden sind.

Malt-Destillerien in den Lowlands

Auchentoshan

Die Destillerie Auchentoshan liegt vor den Toren von Glasgow. Im Jahr 1823 erhielt sie das Recht auf das Brennen von Whisky. An den Ufern des Flusses Clyde wird der Whisky dreifach gebrannt, was ihm einen gefälligeren, sanfteren Charakter gibt. Nach der teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg begann man, die Produktion langsam wieder anzukurbeln.

auchentoshan-three-wood

Viele Jahre lang gab es nur einen Zehnjährigen aus dem Hause Achentoshan, doch im Jahr 2008 erweiterte man die Produktion und präsentierte sich in einer ganz neuen Aufmachung. Der 10-Jährige wurde durch einen 12-jährigen Whisky ersetzt. Es kamen der Classic, ein 18-Jähriger und ein 21-Jähriger hinzu. Ein besonderer Single Malt ist der Jahrgangsmalt 1974. Zuvor, im Jahr 2002 bereicherte der beliebte Three Wood das Sortiment. Er überzeugt durch eine dunkle Färbung, ist von Sherry geprägt und trägt viele Aromen eingelegter Früchte, von Toffee, Trauben, Nuss und einen Hauch von Schokolade in sich.

Glenkinchie

Die Glenkinchie-Brennerei liegt in der Nähe von Edinburgh. Er ist sicherlich der bekannteste Malt-Whisky aus den Lowlands und vertritt die Region mit seinem Classic Malt. Leicht süß und zart steht der Glenkinchie als Beispiel für den Lowland Whisky. Die Brennerei hat ein Besucherzentrum und ein Museum, was viele Besucher, vor allem aus dem nahe gelegenen Edinburgh anlockt. Die Glenkinchie Whiskys reifen zum größten Teil in Ex-Bourbon-Fässern. Nur ganz selten wird einmal ein Sherryfass mit einbezogen, wenn eine besondere Distillers Edition abgefüllt werden soll.

Bladnoch

Die Destillerie Bladnoch wurde im Jahr 1817 gegründet und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Einige Male wurde sie geschlossen. Das letzte Mal beschloss Diageo (damals United Distillers), neben Rosebank und Pittyvaich, auch Bladnoch für immer zu schließen. Ein Jahr später kaufte der Bauunternehmer Raymond Armstrong die Distillery, bekam aber die Auflage, dass nie wieder Whisky produziert werden dürfe. Nach langem Hin und Her ließ sich Diageo überzeugen, eine maximale Produktion von 100.000 Litern pro Jahr zuzulassen. Zunächst wurden die alten Bestände abgefüllt, aber im Jahr 2008 kamen die ersten neuen Brände auf den Markt. Ein Achtjähriger folgte ein Jahr später dem Sechsjährigen Malt und weitere getorfte und ungetorfte Whiskys aus Bourbon- und Sherry-Fässern folgten. Bladnoch ist aber vor allem auf limitierte und Single-Cask-Abfüllungen spezialisiert.

Grain Whisky-Brennereien in den Lowlands

Strathclyde

Die Grain-Destillerie Strathclyde liegt mitten in Glasgow, im Stadtviertel Gorbals. Sie wurde 1927 von dem Bierbrauer Seager Evans erbaut. Anfänglich gab es auf dem großen Gelände, was auch Long John genannt wird, auch noch eine Malt-Brennerei mit Namen Kingclaith. Sie musste aber aus Platzgründen für eine Erweiterung der Grain-Produktion weichen. Heute gehört die Strathclyde-Destillerie zu Pernod Ricard.

Springbank/Kilkerrran

Die Brennerei Springbank liegt auf der Halbinsel Kintyre, gehörig zu der Stadt Campbeltown. Im Jahr 1828 gründete die Familie Mitchell, die drei Jahre zuvor an dieser Stelle die illegale Riechlachan- Destillerie errichtet hatte, die Springbank-Brennerei. Noch heute ist die Brennerei im Besitz der Familie. Zur Springbank-Brennerei gehört auch eine eigene Mälzerei, die in den 1990er Jahren auch ihren Betrieb wieder aufnahm. Die Gerste für die Produktion kommt von den fruchtbaren Feldern rings um Campbeltown und alles in der Brennerei wird noch per Hand ausgeführt. Die Firma hat auch eine eigene Abfüllanlage, was wie der Besitz einer eigenen Mälzerei, lange schon nicht mehr zum Standard in Schottland gehört.

springbank-10 jahre

Seit dem Jahr 2004 hat die Familie noch eine weitere Destillerie eröffnet. Sie steht unweit von der Springbank-Brennerei und hört auf den Namen Kilkerran. Eigentlich ist es die alte Brennerei Glengyle, doch der Name kann nicht mehr verwendet werden, da es schon einen Vatted Malt mit diesem Namen gibt. Der Name Kilkerran leitet sich von der ältesten keltischen Siedlung in Südschottland ab, dem Cean Loch Cille Chiarain. Noch so eine schöne Besonderheit an den Lowlands – die Kelten gehören hier genauso dazu wie der Whisky. Die Destillerie ist auf die Wiederbelebung alter Whiskys spezialisiert und produziert beispielsweise den stark getorften Longrow.

Dumbarton

Dumbarton ist ein sehr großer Destillerie-Komplex direkt am Fluss Leven im Ort Dumbarton. 1958 erst gegründet, dient das Unternehmen vor allem dazu, Grain Whisky für Ballantines herzustellen. In Inverleven allerdings wurde auch Malt produziert, der aber ebenfalls in den Ballantines wanderte. Leider wurde nie eine Erzeugerabfüllung eines Single Malt auf den Markt gebracht. Einige Abfüllungen allerdings gibt es. Gordon & MacPhail brachten einen Inverleven heraus, den es teilweise heute noch zu ergattern gibt. Mittlerweile ist leider auch die Produktion von Grain Whisky nicht mehr am Laufen und wurde nach Strathclyde ausgelagert. So stellt Dumbarton, das man im Jahr 2002 schloss, den Übergang zu unserer letzten Station auf der Reise durch die Lowlands dar, den ehemaligen Brennereien.

Lowland Whisky aus stillgelegten Brennereien

Ladyburn

Die Ladyburn-Brennerei befand sich in Aynshire am Girvan-Komplex. Das war direkt an der Küste. Doch auch sie hatte, wie die meisten Malt-Brennereien in den Lowlands, nur ein kurzes Leben. Mit vier Pot Stills arbeitete sie von 1966 bis 1975, ehe sie dann völlig abgebaut wurde. Es soll noch ein paar Fässer in einem Lager geben, so hält sich das Gerücht. Nur ein einziges Mal kam der Single Malt zur Abfüllung. Angeblich wurde der Rest unter den Mitarbeitern aufgeteilt. Der Whisky zeichnete sich durch zarte Honignoten, Früchte und einen leichten Eichenhauch aus.

Littlemille

Die Brennerei Littlemille lag am Ufer des Flusses Clyde, direkt oben bei Bowling. Allerdings bezog sie das Wasser nicht aus dem Fluss, sondern aus den schottischen Highlands, aus den Kilpatrick Hills. Man vermutet, dass schon um 1760 herum dort Whisky destilliert wurde. Die erste offizielle Erwähnung ist aber aus dem Jahr 1772. Somit zählt sie mit Strathisla und Glenturret zu den ältesten Destillerien Schottlands. Der letzte Kauf erfolgte nach einem Konkurs im Jahr 1994, und die Brennerei wurde unter dem Namen Loch Lomond Distillery & Co Ltd. geführt.

littlemill-25 jahre

Danach wurde sie zum Teil abgebaut und die Häuser sollten in Wohnhäuser umgewandelt werden. Doch standen große Teile der Brennerei unter Denkmalschutz, sodass es nicht dazu kam. Später dann kam doch der Plan auf, wieder ein Stillhouse aufzubauen und die Littlemille-Brennerei in ein Museum umzuwandeln. Leider kam es auch dazu nicht, denn spielende Kinder sollen ein Feuer entfacht haben, dem die restlichen Gebäude alle zum Opfer fielen. Der Littlemille-Whisky hatte ein fruchtiges Aroma und einen leichten Hauch von Torf. Sie können noch Flaschen dieser Kostbarkeit ergattern. Auch wir haben in unserem Whisky-Shop noch einige Littlemilles auf Lager. Setzen Sie sich aber hin, ehe Sie den Preis anschauen. Der Littlemille ist extrem selten und daher hat er auch einen entsprechenden Liebhaber-Preis.

Rosebank

Als letztes wollen wir Ihnen noch die Rosebank-Destillerie vorstellen. Sie liegt direkt am Forth-Clyde-Kanal in der Nähe des Antoninuswalls, den die Römer gegen die Kelten und Pikten erbauten. James Rankine eröffnete die Brennerei im Jahre 1840. Im Jahr 1995 wurde sie von United Distillery, die für viele Tode von schottischen Brennereien, vor allem in den Lowlands, bekannt ist, geschlossen. Den Vorzug gab man der Brennerei Glenkinchie, die ja noch heute besteht. Es gab Bemühungen, die Brennerei Rosebank wieder in Betrieb zu nehmen, doch es mangelte an den über 2 Millionen Pfund, die dafür notwendig gewesen wären. Die Gebäude, die nicht unter der Abrißbirne gelandet sind, wurden zu Wohnhäusern umgebaut. Schade drum, denn viele sagen, der Rosebank-Whisky wäre der beste Single Malt der Lowlands gewesen.

Das war sie – unsere Reise durch die Lowlands. Wir hoffen, es hat Ihnen gefallen und vielleicht probieren Sie ja mal einen Lowland Whisky. Wir haben viele, auch seltene Exemplare für Sie in unserem Shop auf Lager. Schnuppern Sie ruhig einmal rein.

 

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