Claggan-Bay-Islay

Islay Whisky – Schottlands besondere Medizin

Auf unserer Reise durch die Whisky-Regionen Schottlands führt uns unser Weg heute auf die wohl berühmteste Whisky-Insel der Welt – Islay. Auf der südlichsten der Hebrideninseln wird ein ganz charakteristischer Whisky produziert. Islay schmeckt nach Torf und Rauch und ist nicht jedermanns Sache. Whisky-Einsteiger werden so manches Mal das Gesicht verziehen, wenn sie den Islay Malt probieren. Aber auch Kenner spaltete der intensive Geschmack der Insel. In Zeiten Prohibition in Amerika schaffte es so mancher Islay Whisky an den Zollbeamten vorbei, denn sein Geruch allein erinnerte mehr an Medizin als an ein Getränk, welches Genießer zu schätzen wissen. Sie sind jetzt neugierig geworden? Dann kommen Sie mit. Wir wollen Ihnen den Whisky der Insel näherbringen, die Geschichte erzählen und einige bekannte Destillerien vorstellen.

Islay – die berühmteste Whisky-Insel der Welt

Die Königin der Whisky-Inseln in Schottland ist unumstritten Islay, gesprochen ei-lah. Eine wirklich beeindruckende Landschaft erwartet Sie, wenn Sie auf die Insel Islay reisen. Im Osten und Norden der Insel finden wir felsige, von Heidekraut überwucherte Hügel. Im Süden und Westen wird das Land etwas fruchtbarer und ist übersät mit Torfmooren. Die Insel ist nur 620 Quadratkilometer groß. Von Süden und Norden ragen die beiden Meeresarme Loch Indaal und Loch Gruinard weit in das Innere hinein. Der Name der Insel war der einer Prinzessin aus Norwegen. Die Norweger hatten viele Jahrhunderte lang einen großen Einfluss auf Islay, den man für die Bevölkerung nicht als positiv bezeichnen kann. Die Herrschaft war eine tyrannische. Die heidnischen Normannen verwüsteten weite Landstriche und Klöster der schon christianisierten Welt.

Früher gehörten zur Whisky-Region Islay auch noch andere Inseln wie die nahegelegene Jura dazu, doch heute ist Islay eigenständig und die Inseln zählen zu den Highlands. Neben der dominierenden Landwirtschaft und Fischfang wird vor allem eines auf der Insel erzeugt – Whisky. Acht Brennereien sind heute aktiv. Von zwei weiteren stehen noch Überreste. In seiner Hochzeit waren hier 26 Brennereien ansässig, die den berühmten Islay Whisky produzierten. Es wird angenommen, dass die irischen Mönche die Kunst der Destillation zu Beginn des vierzehnten Jahrhunderts nach Islay brachten. Aufgrund der Tatsache, dass Islay eine fruchtbare Insel für den Anbau von Gerste war, früher Beres genannt, mit ausgezeichneten reinen Wasserquellen und viel Torf, hatte die Insel alles, um Whiskey zu destillieren.

Die irischen Wurzeln des Islay Whiskys

Eigentlich ist Islay eine schottische Insel, doch die Kunst der Whisky-Herstellung brachten die Iren auf die Insel. Sie stellten ihr Uisge Beath her, das Wasser des Lebens, Dafür griffen sie auf den reichlich vorhandenen Torf zurück und bauten Gerste auf den fruchtbaren Böden im Süden an. Die gemälzte Gerste trockneten sie mithilfe von Torffeuern. Dieser torfige, moosige Geschmack drang dabei tief in die Gerstenkörner ein. Das verleiht noch heute dem Islay Whisky seinen einzigartigen immer wieder erkennbaren Geschmack.

Einige Jahrhunderte lang brannten die irischen Mönche und bald auch die Einheimischen überall auf der Insel ihren Whisky. Doch im Jahr 1644 erhob das schottische Parlament das erste Mal Steuern auf das Getränk. Wie in vielen anderen Gegenden auch, zogen sich die Brennereien in unzugängliche, felsige Gegenden zurück, um ohne Lizenz und Steuerabgaben weiter zu destillieren. Doch das wäre gar nicht nötig gewesen, denn kein Steuereintreiber hätte sich nach Islay gewagt. Das Volk dort galt als barbarisch und unzivilisiert. Erst im Jahr 1797, also weit nach der Legalisierung des Whisky-Brennens, wagte sich ein Beamter auf die Insel, um die Steuern zu überwachen. Übrigens findet sich auch heute dort kein Beamter, der das Gesetz über die Whiskysteuer überwacht. Doch keine Angst, die Insel und ihre Bewohner sind friedlich und waren es auch dazumal schon.

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Der Geschmack von Islay Whisky

Wir haben es schon eingangs kurz erwähnt – der Islay Whisky hat einen ganz besonderen Geschmack. Er ist sehr kräftig, dabei torfig und sein Geruch erinnert an Jod und Medizin. Aber es gibt natürlich auch zwischen den Whiskys der Insel einige Unterschiede und besondere Charakteristika der Brennereien. Die gemälzte Gerste beziehen sie im Prinzip alle aus Port Ellen. Die Mälzerei stellt je nach Wunsch mehr oder weniger stark getorftes Malz her.

Kräftig-rauchig im Süden

Man kann pauschal sagen: Je weiter man nach Süden vordringt, desto torfiger und kräftiger werden die Whiskys. Das liegt vor allem daran, dass im Süden zu dem schon kräftig getorftem Malz noch das Wasser hinzukommt, welches ebenfalls einen hohen Torfanteil in sich hat. Es fließt durch die Torfmoore und nimmt dadurch sogar eine recht bräunliche Färbung an. Das Wasser ist reich an Mineralien und sehr sauber. Zusätzlich kommt im Süden von Islay noch hinzu, dass die Fässer in der Nähe des Meeres lagern. Während des Prozesses der Reifung im Fass atmet der Whisky so viel Meeresluft ein, was ihm einen Geschmack von Seetang, Jod und Meeressalz verleiht. Ein Beispiel für einen typischen Islay Whisky aus dem Süden ist der kräftig-rauchige Lagavulin. Natürlich stehen auch im Norden die Lagerhäuser oftmals in Meeresnähe, doch die Windrichtung von Südwest nach Nordost macht es aus, dass der Whisky im Süden mehr Meeresluft abbekommt.

Salzig und medizinisch im Norden

Im Norden wird für den Islay Whisky Wasser aus den Quellen verwendet. Es trägt somit keinen Torf in sich und hat auch nicht so viele der typischen Essenzen der Moore, die man im Süden findet. Hier findet man sogar gänzlich ungetorfte Single Malts, die sich in ihrer Aromenfülle mehr auf das Salzige und Medizinische der Meeresluft konzentrieren. Ein Typisches Beispiel ist der Whisky aus der Brennerei Bunnahabhain.

Rauchig und blumig in der Mitte

In der Mitte von Islay befinden sich zwei Brennereien – Bowmore und Caol Ila. Auch der Torfgehalt der Whiskys der beiden Destillerien ist eher in der Mitte angesiedelt. Man spürt immer noch eine rauchige Note, die auch teilweise markant ist, doch es mischen sich äußerst vielfältige andere Aromen dazu. Getrocknete Früchte und Blumen sind hier präsent und der ausgewogene Geschmack ist Einsteigern in die Welt des Islay Whisky zu empfehlen.

Bekannte Islay Whisky Brennereien

Bei den Ausführungen zum Geschmack des Islay Whiskys haben wir schon erste bekannte Marken genannt. Wir wollen Ihnen natürlich an dieser Stelle gern alle acht Brennereien der Insel kurz vorstellen. Doch würde das wahrscheinlich den Rahmen sprengen, sodass wir nur jeweils eine typisch für den Süden, für die Mitte und den Norden stehende Distillery betrachten. Aber natürlich seien alle acht trotzdem genannt: Ardbeg, Bowmore, Bruichladdich, Bunnahabhain, Caol Ila, Kilchoman, Lagavulin und Laphroaig.

Die Brennerei Ardbeg im Süden

Wenn Sie mit der Fähre nach Islay fahren, dann ist Ardbeg die erste Brennerei, die Sie sehen werden. Sie steht auf einer kleinen Anhöhe und wurde im Jahr 1815 gegründet. Doch auch schon vorher soll in den Gebäuden Whisky produziert worden sein. Zwei Jahre nach der Gründung ging die Brennerei an die Familie McDougal über, ehe sie 1977 an Hiram Walker verkauft wurde. Genau ab dieser Zeit, in den 1970er Jahren, sah es eine Weile hinsichtlich des Fortbestehens der Destillerie auch nicht gut aus und sie wurde auch im Jahr 1981 stillgelegt. Ein kurzes Aufflackern der Produktion im Jahr 1989 brachte neue Hoffnung. Doch es dauerte noch bis zum Jahr 1997 ehe Ardberg von Glenmorangie plc übernommen wurde. Nun steht die Destillerie wieder für herausragenden Whisky von der Insel Islay und bietet vor Ort auch noch ein Restaurant und eine Besichtigungstour für Touristen an.

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Der Ardberg Whisky ist vom Stil einer der rauchigsten und torfigsten Schottlands. Den Kern des Sortiments stellt der 10jährige Standard dar. Er ist torfig, aber gleichzeitig fruchtig. Zudem gibt es viele Vintage- und Single-Cask-Abfüllungen, die die Gaumen der Feinschmecker begeistern.

Eine erste Veröffentlichung alter Lagerbestände, die als 17-Jährige in einer neu gestalteten Verpackung abgefüllt wurden, erwies sich als sofortiger großer Erfolg und es folgten eine Reihe äußerst erfolgreicher offizieller Abfüllungen. Auch das Interesse an alten Abfüllungen ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Besonders beliebt sind hier die Abfüllungen vor dem Jahr 1977, als die Brennerei noch eine eigene Mälzerei hatte. Die begehrten Abfüllungen aus der Zeit der Stilllegungen sind zu oft hohen Preisen, weit über dem Ursprungspreis erhältlich.

Die Brennerei Bowmore in der Mitte

Die Brennerei Bowmore liegt mitten im gleichnamigen Örtchen auf Islay. Direkt neben dem Hafen in der Bucht von Loch Indaal liegen die beschaulichen weißen Gebäude der 1779 von David Simson gegründeten Brennerei. Simson war Bauer, Kaufmann, Seemann, Postbote und Whiskybrenner zugleich. Sie ist die älteste Destillerie auf Islay. James Mutter war es, die die Destillerie und die Produktion immer weiter ausbaute und den Namen Bowmore in Schottland und in der Welt bekannt machte. 1965 verkaufte der Besitzer Sheriff & Co die Distillery an Stanley P. Morrison. Heute ist sie im Besitz der japanischen Suntory.

Bemerkenswert ist, dass Bowmore noch immer 50 Prozent seiner Gerste selbst mälzt. Dabei nutzt sie ein Wärmerückführungssystem, welches sogar noch ein Schwimmbad beheizt. Bowmore Whisky reift zu einem großen Teil, genau gesagt zu einem Drittel, in Sherry-Fässern, was ungewöhnlich für Islay ist, aber eben genau den besonderen fruchtigen Geschmack ausmacht. Der Whisky aus dem Hause Bowmore ist nicht ganz so kräftig wie seine Schwestern aus dem Süden, aber dennoch spürt man deutlich den Torf. Moos, Schilfrohr und Farnnoten kommen über das eisenhaltige Wasser in den Single Malt. Der bekannteste Bowmore ist sicherlich der Black Bowmore. Doch es ist nur noch wenigen vergönnt, diesen auch zu verkosten.

Die Brennerei Bruichladdich im Norden

Am Nordufer des Loch Indaal liegt die Brennerei Bruichladdich, auch liebevoll Laddie genannt. Bis vor wenigen Jahren war sie die westlichste Destillerie Schottlands, bis dann im Jahr 2005 Kichoman eröffnete. Die Brennerei Bruichladdich wurde von den drei Brüdern Robert, William und John Gourlay Harvey im Jahr 1881 gegründet. Bis in die 1930er Jahre blieb sie in Familienhand und produzierte. Dann lag sie, wie so viele Destillerien in Schottland für einige Zeit still. In den Jahren 1936 bis 1994 wechselten sich die Besitzer ab, aber im Jahr 2000 sollte es endlich wieder richtig weitergehen. Mehrere unabhängige Brenner übernahmen die Destillerie und bauten sie mit viel Stolz und eigener Authentizität wieder auf.

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Heute arbeiten wieder 50 Menschen in der Destillerie, die ein voll funktionierendes Technikmuseum ist. Bruichladdich arbeitet mit restaurierten Gerätschaften und einer von noch zwei erhaltenen schmalen, hohen Lommond Stills. Die zweite steht in Scapa. Der neue Aufstieg der Bruichladdich-Brennerei machte viele neugierig, auch Investoren. Remy Cointreau kaufte die Destille 2012 für 58 Millionen Pfund. Die unabhängigen Brenner investierten damals im Jahr 2000 6,7 Millionen.

Bruichladdich destilliert drei verschiedene Whisky-Typen. Der eine ist der wohlbekannte Laddie, der ungetorfte mit dem typischen Geschmack des Nordens von Islay. The Laddie Ten ist wohl die bekannteste Abfüllung aus dieser Linie. Die zweite Linie ist die Port Charlotte. Dieser Whisky ist stark getorft und kann schon fast in den Süden von Islay eingeordnet werden. Aber Bruichladdich produziert auch den weltweit am stärksten getorften Whisky – den Octomore. Von allen drei Stilen gibt es aber auch noch unzählige Varianten. Bruichladdich ist es auf jeden Fall wert, auch noch einen ganz eigenen Beitrag in unserem Whisky-Magazin zu bekommen, um die vielen verschiedenen Typen und Abfüllungen näher kennenzulernen.

Das Islay Whisky Festival

Wenn Sie einmal eine Reise entlang der Küste von Islay machen und die Brennereien besuchen, können Sie sich selbst von den verschiedenartigen Geschmäckern vor Ort überzeugen. In der einzigartigen Natur und dem Klima Islays schmeckt Islay Whisky noch einmal ganz besonders authentisch, Es gibt zwar nicht wie in der Speyside einen offiziellen malt Whisky Trail, aber so mancher Reiseanbieter hat kleine Touren im Angebot.

Ein besonderes Highlight aber ist das jährliche Islay Whisky Festival. An den Open Days öffnen alle Destillerien auf Islay ihre Pforten und bieten Möglichkeiten zur Verkostung an. Es gibt auch spezielle Masterclasses. Das Festival findet jedes Jahr in der letzten Maiwoche statt. Sie erwarten aber nicht nur die vielen Whisky-Tastings, sondern es wird eine ganze Woche lang auf der Insel gefeiert. Fèis Île ist der Mittelpunkt des bunten Treibens mit viel Gesang, Poesie, Geschichten, Essen, Golf, Bowling und sogar Unterricht in der gälischen Sprache. Wir können Ihnen nur empfehlen, einmal dieses wunderbare Festival mit traditioneller Musik und unheimlich freundlichen und aufgeschlossenen Menschen zu besuchen. Islay ist eine Reise wert und der Islay Whisy hat es verdient, gefeiert zu werden.

 

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