Blended Whisky

Blended Whisky – Hohe Kunst der Whisky-Heirat

So manch ein Whisky-Liebhaber rümpft beim bloßen Gedanken an Blended Whisky schon pikiert die Nase. Nur ein Single Malt kommt ihm ins Glas, denn alles andere ist nur billiger Fusel. Stimmt das wirklich? Ist das Blending von Whisky eine hohe Kunst oder doch nur einfache Panscherei? Fakt ist, dass die Blends schon lange nicht mehr nur einfache Whiskys sind, die aus allen möglichen, meist recht preisgünstig hergestellten Whiskys zusammengemischt wurden. Wahre Blendingmaster erschaffen großartige Blends, die sich nicht verstecken müssen. Ein guter Grund, um sich einmal mit der Geschichte des Blended Whisky zu beschäftigen und zu erklären, wie Blends hergestellt werden und woraus sie bestehen. Kommen Sie mit auf unsere Reise in die Welt der Blends!

Was ist Blended Whisky?

Blended Whisky ist im Prinzip erst einmal nichts anderes als ein Verschnitt von Whiskys aus unterschiedlichen Fässern verschiedener Destillerien. Dabei sind es nicht drei oder vier Whiskys, die hier gemischt werden, sondern zwischen 20 bis manches Mal mehr als 50 Whiskys, die zusammengestellt werden. Blended Whisky ist der weltweit am häufigsten getrunkene Whisky. Als Grundlage dient oftmals der Grain Whisky aus verschiedenen Getreidesorten, die nicht gemälzt wurden. Bei einem Blend wird heutzutage besonders darauf geachtet, dass bei jeder neuen Abfüllung immer wieder genau der Geschmack der Marke getroffen wird. Hier beginnt die Kunst des Blendings, die kein einfaches wahlloses Zusammenmischen verschiedener Whiskys ist. Whisky ist ein natürliches Produkt und entwickelt immer wieder ganz andere Geschmacksnuancen. Nicht unwesentlich tragen die Fässer, in denen er lagert, dazu bei. Lesen Sie, wie die Fässer den Geschmack von Whisky beeinflussen in unserem entsprechenden Beitrag im Whisky-Magazin.

Unterschied Blended Whisky und Single Malt

Eine häufige Frage, die uns immer wieder gestellt wird, ist die nach dem Unterschied zwischen Blended Whisky und Single Malt. Wir haben dies schon im Beitrag über die Whisky-Sorten kurz angerissen. Ein Single Malt Whisky zeichnet sich dadurch aus, dass er aus nur einer einzigen Brennerei stammt. Dies sagt uns der Begriff Single. Malt bedeutet, dass nur gemälzte Gerste für den Whisky verwendet werden darf. Mehr hat die Bezeichnung Single Malt erst einmal nicht zu sagen. Es werden also auch hier durchaus Whiskys verschiedener Jahrgänge und Fässer miteinander vermischt. Kommt der Whisky nur aus einem Fass, wird er Single Cask genannt. In vielen namhaften Blended Whiskys sind Anteile berühmter Single Malts enthalten. So findet sich im Johnnie Walker immer ein Cardhu zum Abrunden des Geschmackes.

Schottische Blends

In Schottland werden 92 Prozent Blends produziert. Das hätten Sie nicht gedacht, nicht wahr? Ist doch Schottland vor allem wegen seiner Malts und Single Malts bekannt und geliebt. Einige sehr bekannte Blended Whiskys wie der Johnny Walker oder der Chivas Regal stehen für eine herausragende Qualität. Grundlage für die Blends aus Schottland ist meist ein Grain Whisky, auch Kornwhisky genannt, dem verschiedene Malts und / oder Single Malts beigemischt werden. Das Mischungsverhältnis variiert hierbei sehr stark. Der Anteil von Single Malt Whisky kann zwischen 5 und 70 Prozent betragen. Es gibt aber insgesamt drei Arten von Blended Whiskys in Schottland:

Blended Malt – werden teilweise auch als Pure Malts bezeichnet und sind ausschließlich aus verschiedenen Single Malts unterschiedlicher Brennereien verschnitten. Bekannter Vertreter ist der Johnny Walker Green Label

Blended Grain -sind Whiskys, die nur aus Grain Whiskys verschnitten sind und keine Malts oder Single Malts in sich haben. Ein bekannter Blended Grain ist der Hedonism von Compass Box.

Blended Scotch -Blended Scotchs sind die Hauptvertreter der schottischen Blends, die wie oben beschrieben aus Grain und (Single)Malt zusammengestellt sind. Bekannte Vertreter sind der Ballantine’s und Teacher’s.

Die beiden ersteren Sorten des Blended Whisky werden auch als Vatted Whisky bezeichnet, da hier nur Malts bzw. nur Grain-Whiskys miteinander vermischt werden.

tullamore-dew-12 Jahre Flasche und Box

Irische Blends

Irische Blends sind mit großen Namen wie Tullamore Dew, Jameson, Bushmills oder Paddy verbunden und weltbekannt. Auch die Irish Blends werden wie die schottischen produziert, es kommt aber noch eine weitere Möglichkeit durch die Sorte Pure Pot Still, bei der neben der gemälzten auch ungemälzte Gerste mit für die Whisky-Herstellung benutzt werden darf, hinzu.

Amerikanische Blends

Auch in Amerika gibt es Blends, auch wenn sie recht unbekannt sind, da sie von der Masse der Bourbons eher erschlagen werden. Ein American Blend muss mindestens 20 Prozent Straight Whisky enthalten. Weitere Vorschriften, wie eine Mindestlagerdauer oder ähnliches, gibt es nicht. So ist man als Whsikybrenner auch hinsichtlich des Blending in Amerika relativ frei in seinen Handlungen. So kann zum Beispiel bis zu 2,5 Prozent ein Blender hinzugemischt werden. Die Blender sind oft Wein oder Sherry. So erzielen auch amerikanische Whiskys mehr oder weniger feine Noten von Wein und Sherry, die durch die Vorgabe, immer frische Fässer zur Reifung des Whiskys verwenden zu müssen, nicht auf natürliche Weise durch Ex-Wein- und Sherryfässer in das Destillat gelangen können.

Kanadische Blends

In Kanada werden fast nur Blends produziert. Das liegt daran, dass hier traditionell kaum Gerste, dafür aber viel Roggen und Mais gedeiht. Durch das Brennen mit diesen Getreidearten und dem Destillieren in sogenannten Beer Stills, entsteht leider kein so hervorragender und vor allem geschmacksintensiver Whisky wie aus der gemälzten Gerste. Also ist es die Kunst der Blendermaster, dieses geschmackliche Manko durch kunstvolles Mischen auszugleichen.

Geschichte des Blended Whisky

Die Ursprünge des Blended Whisky liegen in Schottland. Der Name leitet sich vom Wort Blending bzw. to blend ab, was mischen bedeutet. Und genau das ist es auch, was beim Produzieren eines Blends passiert: es werden verschiedene Whiskys miteinander kombiniert und zu einem Gesamtkunstwerk komponiert. Das Mischen von Whisky unterschiedlicher Destillerien war schon weit vor den Blends in Schottland üblich. 1853 wurde durch den Forbes-Mackencze-Act das Mischen verschieden alter Whiskys aus einer Brennerei erlaubt. So konnten die Destillerien Whisky mit einem relativ gleichbleibenden Geschmack erzeugen.

Diese Methode des Mischens wurde als Vatting bezeichnet. Eine der ersten Destillerien, die ihren Whisky so produzierte, war die Andrew Usher & Co. mit dem Old Vatted Glenkvet. Dies ist wohl auch die erste Whisky-Marke der Welt. Warum, wenn es doch vorher schon Whisky gab? Ganz einfach: Whisky ist ein reines Naturprodukt und jedes Fass wird anders schmecken, auch wenn von Grund auf dieselben Zutaten in die Whiskyherstellung einfließen. Der Grundcharakter bleibt zwar immer gleich, so dass man schon mit dem Namen der Destillerie werben konnte, aber eine Marke mit dem Kennzeichen, dass der Whisky mit diesem Namen immer relativ gleich schmeckt, konnte so natürlich nicht gegeben werden. das änderte sich mit dem vatted Whisky.

Destillerie in Schottland

Die Geburt des Grain Whisky läutet die Ära des Blended Whisky ein

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde ein neues Verfahren der Destillation erfunden. Aeneas Coffeys Patent Still- Destillation ermöglichte eine kontinuierliche Destillation. Das heißt, es konnte dauerhaft Maische zugeführt werden, ohne dass die bisher verwendeten Kupfer-Brennblasen (Pot Stills) zwischendurch jedes Mal gereinigt werden mussten. Dies verschnellerte die Produktion von Whisky um Einiges. Es konnte jetzt viel billiger Whisky hergestellt werden. Zusätzlich wurde, um den Prozess noch weiter zu optimieren, das Getreide vorher nicht gemälzt. Zum Vorteil der schnelleren Produktion gesellte sich aber auch ein Nachteil. Der Whisky aus dem oft billigen Getreide aller Art, der schon mehrfach erwähnte Grain Whisky (Kornwhisky) hat bei weitem nicht so viel Geschmack wie der aus dem Pot Still-Verfahren mit gemälzter Gerste. Das liegt am schnellen Verfahren, am günstigen ungemälzten Getreide, aber oft auch an der sehr kurzen Lagerung von drei Jahren, die das Mindestmaß sind, damit sich der Brand überhaupt Whisky nennen darf.

Was lag da näher, als beide Sorten miteinander zu vermischen, um den Grain ein wenig trinkbarer zu machen?! Mit dem Spirit Act von 1960 wurde genau dies erlaubt und man begann Grain Whisky mit Malt Whisky zu verschneiden. Der Blended Whisky war geboren! Da zu dieser Zeit auch noch eine Reblausplage die Weinernte in Frankreich vernichtete und es dadurch recht wenig Cognac und Wein in Schottland gab, begann der Blend seinen Siegeszug. Der Zeitpunkt konnte nicht besser sein, gewann doch der mildere, aber sehr geschmacksintensive irische Whisky immer mehr Liebhaber. In der Ära des Scottish Blends verblassten die ursprünglichen Single Malts immer mehr, was sich erst in den 1960er Jahren mit der Werbeaktion der Destillerie Glenfiddich wieder änderte.

Die hohe Kunst des Blended Whisky

Die besondere Kunst beim Blending besteht darin, immer wieder den gleichen Geschmack, die gleiche Farbe und die gleiche Qualität zu erzielen. Dafür braucht es viel Erfahrung und Zugriff auf möglichst viele Whiskysorten und Brennereien. Viele Brennereien in Schottland sind daher rein auf die Herstellung von Grain Whiskys spezialisiert, die den großen Blendmastern zur Verfügung stehen, um die Blended Whiskys zu verschneiden. Die Master Blender werden auch oft einfach nur „Nasen“ genannt, denn sie riechen lediglich an ihren Kunstwerken und trinken sie nicht im Herstellungsprozess.  Erst wenn der fertige Blend zur Abfüllung parat steht, wird das erste Mal verkostet. Das lernt man nicht in einer zweijährigen Ausbildung, dafür braucht man viele Jahre der Schärfung des Geruchssinnes und Geschmackes. Ein guter Master Blender arbeitet also eigentlich wie ein Parfümeur.

Nachdem der Blender die richtige Mischung gefunden hat, werden die benötigten Mengen an Fässern eingekauft und vermischt. Wichtig ist die anschließende Lagerung, bei sich die Whiskysorten miteinander optimal vermischen müssen, um ein harmonisches Gesamtes zu ergeben. Dabei spielen die Fässer eine große Rolle. Nicht umsonst sagt man, dass Blends immer in denselben Fässern gelagert werden sollten, da diese mit der Zeit den Geschmack annehmen und zusätzlich an den Whisky abgeben.

Ist Single Malt besser als Blended Whisky?

Wie wir nun gelernt haben, ist nur die Bezeichnung eines Whiskys als Single Malt oder Blended Whisky noch lange kein Qualitätsmerkmal. Single Malts werden oft als ein wenig schärfer und sehr kräftig empfunden und die Blends sind durch die Zugabe des Grain Whisky etwas gefälliger. Sie treffen den Massengeschmack etwas mehr, haben dafür aber oft keinen tiefen eigenen Charakter. Das muss aber gar nicht der Standard sein. Es gibt Single Malts, die streng nach Vorschrift destilliert worden sind und trotzdem nicht schmecken, und es gibt herausragende Blends, die mit einem feinen Charakter und einem hohen Anteil extrem guter Single Malts eine wahre Freude sind. Für ganz wunderbare Blends steht zum Beispiel die Destillerie Compass Box mit den herrlichen Kreationen ihres Gründers John Glaser oder auch der feine Blended Malt Big Peat. Denn Sie erinnern sich sicher: Blended Whisky muss nicht immer Grain Whisky enthalten!

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