Amerikanischer Whiskey - Whiskeyfass und Cowboystiefel

Amerikanischer Whiskey – Geschichte und Entwicklung

Amerikanischer Whiskey ist der Sammelbegriff für alle Whiskeys aus den USA. Auch wenn dies rein geographisch natürlich falsch ist, denn zu Amerika gehören bekanntlich ja noch ein paar mehr Staaten als die Vereinigten Staaten von Amerika. So kennen wir zum Beispiel auch den kanadischen Whisky, der in starker Abgrenzung zum amerikanischen Whiskey zu sehen ist. Auch dem Canadian Whisky haben wir natürlich einen Beitrag in unserem Whisky-Magazin gewidmet. Doch heute soll es um den Whiskey aus den USA gehen. Wir wollen uns auf eine Entdeckungsreise in die Geschichte begeben und die typischen Merkmale des amerikanischen Whiskey ergründen. Denn im Laufe der Zeit entwickelten sich in den USA ganz eigene Whiskey-Stile, die in ihrer Vielfalt die der Schotten und Iren übertreffen. Am bekanntesten ist wohl der Bourbon, doch das ist bei weitem nicht der einzige Whisky aus den USA.

Amerikanischer Whiskey – eine Geschichte von Einwanderern

Die Geschichte des amerikanischen Whiskeys beginnt mit der großen Einwanderungswelle der Europäer. Die Kunst des Whisky-Brennens brachten dabei vor allem die Schotten und Iren mit ins Land. Natürlich wurde auch in Nordamerika schon Feuerwasser getrunken, doch war es, bis die schottischen und irischen Einwanderer kamen, vor allem der Rum, der amerikanische Kehlen hinunterfloss. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dann begann die Reisewelle in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Gelandet in Virginia oder Pennsylvania stießen die neuen Siedler immer weiter nach Westen, aber auch in die neuen Staaten Kentucky und Tennessee, vor. Scouts wie Daniel Boone führten Kolonnen von Wagen mit alten Europäern, die wagemutig die neue Welt entdecken wollten, in ebendiese. Die Schotten und Iren fühlten sich in der neuen Heimat wohl, doch eines fehlte noch zu ihrem Glück – der Whisky bzw. Whiskey! Zu den Unterschieden zwischen beiden Schreibweisen lesen Sie gern unseren Beitrag Whisky oder Whiskey – wo ist der Unterschied.

Whiskey brennen in der neuen Heimat

In den USA und vor allem in den Staaten, in denen die Scotch-Irish siedelten, fanden sich beste Voraussetzungen für das Brennen von Whisky. Unberührte Landschaften, ausgedehnte Flächen für den Anbau von Getreide und klares frisches Wasser waren in Hülle und Fülle vorhanden. Nichts stand der Umsetzung des Wissens um das Destillieren von Whisky im Wege, außer, dass die Gerste auf dem neuen Kontinent scheinbar gar nicht zu wachsen schien. Dafür gedieh Roggen und Mais unwahrscheinlich gut. So entschlossen sich die neuen Siedler, ihren Whisky mit diesen Getreidesorten zu destillieren. Vor allem Whisky aus Roggen, der Rye Whiskey, wurde in großer Zahl gebrannt und auch als Tauschgut für andere Waren verwendet. Heute ist die Bedeutung des recht würzigen Rye-Whiskys nicht mehr so groß. Er wurde nach und nach vom Bourbon verdrängt.

Amerikanischer Whisky und seine Besonderheiten

Begann man zunächst den Whisky mit Roggen zu destillieren, entdeckte man später den Mais, den die Ureinwohner Amerikas schon sehr weit kultiviert hatten. Durch einen hohen Roggenanteil wurde der Whiskey sehr würzig, was den feinen Gaumen der Iren und Schotten nicht gar so behagte. Mischungen aus Mais, Roggen, Weizen und ein wenig Gerste erzeugten einen gefälligeren Geschmack und nach und nach wurde der Maisanteil immer höher. Torf, welchen die Schotten und Iren traditionell für die Trockenfeuer des Gerstenmalzes verwendeten, fand sich in der neuen Heimat nicht. Daher hat amerikanischer Whiskey auch ganz und gar keinen Rauchgeschmack. Es fehlte dem Whiskey aber durch den Mangel an Torf auch an Würze. Die Brennereien experimentierten daher mit der Zugabe von Hopfen und vor allem durch das Ausbrennen der Fässer, um mehr Geschmack in den Brand zu bekommen.

Die Zeit des Unabhängigkeitskrieges

Wie in der alten Heimat verhalfen die Whisky-Brenner das Wasser des Lebens zu einem steilen Aufstieg innerhalb der Gesellschaft. Whisky war begehrt, nicht nur bei Privatleuten und Bauern, sondern auch bei Soldaten und Händlern. Schon vor Beginn des Unabhängigkeitskrieges plante die Regierung deswegen, auf Alkohol im Allgemeinen und Whiskey im Besonderen Steuern einzuführen. Eine Entwicklung, die die neuen Siedler schon einmal auf den britischen Inseln mitgemacht hatten. Lesen Sie dazu gern die Beiträge über die Geschichte des irischen Whiskey und die Geschichte des schottischen Whiskys. Aufgrund der Erfahrungen bei der Besteuerung von Whisky in ihren Heimatländern kam es auch in Amerika schon zu Unmutsäußerungen und gerade in den damaligen Hochburgen der Whisky-Herstellung auch zu kleineren Scharmützeln und Auseinandersetzungen. Im Jahr 1794 gipfelte diese in der sogenannten Whisky-Rebellion, die mit einem Heer von 12.000 Soldaten niedergehalten werden musste.

Viele der Aufständischen flohen nach Kentucky und setzten dort ihre Arbeit fort, was zum Aufstieg des Staates als Whisky-Produzent führte. Nach dem Unabhängigkeitskrieg gegen England sah sich George Washington gezwungen, flächendeckend Steuern auf Destillate aller Art zu erheben, um die Schuldenlast der USA abtragen zu können. 1791 wurden in den USA die Steuern eingeführt. George Washington war selbst Whiskybrenner. Er wusste daher sehr wohl, in welchem Maße diese Art Steuern zum Wohl des Landes beitragen konnten. Leider übertrieb er ein wenig. Die Whisky-Brenner flohen aus stark belasteten Gegenden, um anderswo ihren Whiskey zu brennen. So konzentrierte sich die Whisky-Produktion dort, wo man sie auch heute noch findet, nämlich in Kentucky und Tennessee. Außerdem war Pennsylvania recht stark mit Brennereien durchzogen.

In dieser doch sehr angespannten und unruhigen Zeit entstanden trotzdem einige der noch heute sehr bekannten Brennereien. So gründeten die Böhms Jim Beam, die Samuels Marker’ s Mark und die Browns Brown-Forman – amerikanischer Whiskey, den man noch heute in der ganzen Welt kennt.

Bourbon Straßenschild

Die Geburtsstunde des Bourbon

Einen entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung der amerikanischen Whiskyproduktion nach 1800 hatten zwei Bücher. Zum einen beschrieb der Brennmeister Harrison Halls in seinem Werk Distiller, dass es von Vorteil sei, wenn man mehrere Getreidesorten für die Herstellung von Whisky verwendet. Er schrieb sogar konkrete Vorgaben nieder, nach denen man möglichst Mais und Roggen miteinander mischen solle, wobei der Roggenanteil nicht größer als 25 Prozent sein solle. Zudem empfahl er auch die Lagerung in Holzfässern aus weißer Eiche, die zuvor ausgekohlt wurden. Diese Empfehlungen kommen den Prinzipien und der Zutatenverteilung für einen Bourbon schon recht nahe. Auch das zweite der wichtigen Bücher auf dem Weg zum typischen amerikanischen Whisky The Art of Making Whisky von Anthony Boucherine enthält konkrete Beschreibungen für Vorgehensweisen und Zutaten beim Brennen von Whisky.

Doch der Name Bourbon geht auf ein County in Kentucky zurück, welches zur Ehren der Franzosen, die die Amerikaner im Krieg gegen die Engländer unterstützten, Bourbon genannt wurde, zurück. Die französische Königsfamilie kam zu dieser Zeit (1579-1792) aus dem Hause der Bourbonen. In diesem County wurde viel und vor allem auch guter Whiskey hergestellt, was dazu führte, dass die Herkunft auf den Fässern vermerkt wurde und sich als Namenszusatz einbürgerte. 18 21 erschien in der Zeitung Western Citizen das erste Mal Werbung für einen Bourbon Whiskey. Übrigens ist es sehr wahrscheinlich, dass der Whiskey aus der Region, dem County Bourbon deswegen um einiges besser schmeckte, da sein Transportweg über den Fluss Ohio sehr lange dauerte und der Whiskey so einen viel längeren Prozess der Reifung hinter sich hatte.

Die Zeit der Prohibition

In den folgenden Jahren wurden die Mengen an produziertem – und natürlich auch getrunkenem – Whiskey immer größer. Das rief nicht nur in Amerika viele Gegner des Genussmittels auf den Plan. Allerdings hatten die Verteufler des Alkohols in Amerika deutlich mehr Erfolg als in anderen Gegenden der Welt. Es kam zu einem umfassenden Verbot. Zum 17. Januar 1920 herrschte in der gesamten USA die Prohibition. Dies bedeutete, dass alle Brennereien geschlossen wurden und nur noch sechs, die Alkohol zu medizinischen Zwecken herstellten, ihre Tätigkeit weiter fortführen konnten.

Die Prohibition führte allerdings nicht dazu, dass die USA ein Land der Abstinenzler wurde, wie Sie sicherlich wissen. Der Schwarzhandel blühte – sowohl im Inland als auch durch das Schmuggeln von Whisky aus dem Ausland. Vor allem Schottland und Kanada profitierten von der Prohibition in den USA. Sie konnten ihre Produkte in diesen Jahren sehr bekannt machen und den amerikanischen Gaumen daran gewöhnen. Allein die Iren hatten aufgrund ihrer gefestigten Religiosität Skrupel in hohem Maße zu schmuggeln, was für die weltweite Verbreitung von irischem Whiskey verheerende Auswirkungen hatte. Bis heute sucht Irland wieder Anschluss an die dominanten Whisky-Länder zu finden, befindet sich aber in stetigem, wenn auch etwas zögerlichen Aufschwung.

Amerikanischer Whiskey auf dem Weg nach Europa

Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde in Europa vor allem irischer und schottischer Whisky getrunken. Doch mit dem Zweiten Weltkrieg lernten die Europäer auch den amerikanischen Whiskey kennen. Auch wenn die Dominanz des kanadischen und natürlich des europäischen Whiskys nicht von der Hand zu weisen war, wurde amerikanischer Whiskey geschickt auf dem Markt platziert. Durch die besondere Inszenierung heute sehr bekannter Marken wie Jack Daniels oder Jim Beam als die Getränke des freiheitsliebenden, unabhängigen und selbstbewussten Mannes. Zusätzlich brachten unzählige GI’s den amerikanischen Whiskey vor allem unter die deutsche Bevölkerung. Beide Phänomene der Platzierung und Bekanntmachung amerikanischer Produkte können wir zum Beispiel auch bei den Zigaretten beobachten.

Amerikanische Whiskey-Regionen

Wenn man an amerikanischen Whiskey denkt, fallen einem sofort zwei Regionen ein: Tennessee und natürlich Kentucky. Und tatsächlich sind diese beiden Regionen die unumstrittenen Whisky-Regionen der USA. Es gab in den Vereinigten Staaten auch in anderen Landzügen Whiskey-Brennereien, doch sind diese mittlerweile nahezu verschwunden. Nach und nach entwickelt sich aber auch in den US-amerikanischen Köpfen eine Craft-Kultur, die wieder in ganz anderen Gegenden wie beispielsweise New York neue Brennereien entstehen lässt. Wir wollen neben den beiden Regionen Tennessee und Kentucky jedoch auch noch Virginia einen kurzen Blick widmen.

Virginia

Virginia ist heute eher ein weißer Fleck auf der amerikanischen Whisky-Karte und doch soll es hier seinen Platz finden. Denn es war nicht immer so. Vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges zwischen den Nord- und Südstaaten im Jahr 1861 war Virginia in der Produktion von Whiskey Kentucky noch eine ganze Nasenlänge voraus. Doch nach dem Sezessionskrieg und dem Abschaffen der Sklaverei waren weite Teile der Produktionsstätten und -flächen einfach von der Landkarte verschwunden. Vor der Prohibition gab es nur noch fünf produzierende Betriebe. Danach wagte nur Abraham Smith Bowman wieder den Weg des Whiskeys in Virginia zu beschreiten. Bis heute ist die Bowman-Distillery die einzige Whiskybrennerei in Virginia. Auch die einstige Brennerei von George Washington, dem Gründervater der USA, ist nicht mehr erhalten und nur durch Ausgrabungen wiedergefunden worden.

jack-daniels-single-barrel

Tennessee

Als erstes fällt Ihnen bei Tennessee im Zusammenhang mit Whisky sicherlich Jack Daniels ein. Der Bundesstaat grenzt südwestlich an Virginia und gilt als sehr konservativ. Nur in drei Countys ist das Brennen von Whiskey erlaubt und dennoch schafft es der Tennessee-Whiskey, über alle Grenzen weltweit bekannt zu sein. Auch hier wurde die Whisky-Produktion durch die Jahre der Prohibition vollständig lahmgelegt. Erst im Jahr 1958 konnte in Tennessee die Destillation von Whiskey wieder anlaufen. Das war etliche Jahre später als im Rest des Landes. Doch immer noch durfte amerikanischer Whiskey im Bundesstaat nicht verkauft und konsumiert werden. Dies war erst ab dem Jahr 1995 wieder möglich. Das Besondere am Tennessee-Whisky ist, dass er vor der Abfüllung noch einmal durch Holzkohle gefiltert wird. Dadurch erhält er seinen ganz eigenen Geschmack, der ihn von allen anderen amerikanischen Whiskeys unterscheidet.

old-bardstown-estate-vl

Kentucky

Amerikanischer Whiskey wird heute vor allem mit dem Bundesstaat Kentucky in Verbindung gebracht. Der 15. Bundesstaat der USA gehörte früher zu Virginia. Die Whisky-Produktion konzentriert sich vor allem auf die Städte Clermont, Frankfurt, Versailles, Bardstown, Loretto, Lawrenceburg und Louisville. Louisville ist die größte Stadt in Kentucky und Standort von einem Dutzend Brennereien. Die Ansiedlung von Whiskybrennereien ist nicht nur dem einfachen Zugang zu den Rohstoffen für die Whiskyherstellung, sondern vor allem auch der hervorragenden Verkehrsanbindung zuzuschreiben. Erst der Fluss Ohio und später die Eisenbahn begünstigten den Standort. Aus Kentucky kommen bekannte Marken wie Jim Beam, Marker`s Mark, Heaven Hill, Bernheim und Brown-Forman.

Amerikanischer Whiskey und die Cocktail-Kultur

Kenner trinken ihren Whisky pur oder mit einer Spur Wasser. Damit haben wir uns in unserem letzten Blogbeitrag zum Thema Whisky richtig trinken beschäftigt. Doch es gibt auch für jeden Whisky einen eigenen ganz besonderen Cocktail. Der Scotch wird gern im Rusty Nails verarbeitet, Irish Whiskey findet sich im berühmten Irish Coffee. Gerade amerikanischer Whiskey allerdings hat eine besondere Vielfalt in die Cocktail-Kultur gebracht. Dies liegt einerseits an der gehobenen Barkultur des Landes im frühen 20. Jahrhundert und andererseits an der hohen Verfügbarkeit der amerikanischen Whiskeys. Und ein bisschen ganz sicher auch an ihrer besonderen Gefälligkeit der Whisky-Sorten. Noch heute werden die Klassiker amerikanischer Whisky-Cocktails wie Old Fashioned, Manhattan, Whisky Sour und Mint Julep in den Bars der Welt serviert.

Mit den Cocktails wollen wir auch unsere Entdeckungstour in die Welt des amerikanischen Whiskeys vorerst beenden. Es gibt noch ganz viel zu den Regionen, bekannten Marken, Brennereien und Whisky-Sorten zu erzählen. Das werden wir auch tun, doch in detaillierten Beiträgen, die sich zum Beispiel mit der Region Tennessee oder speziell dem Bourbon und seiner Herstellung beschäftigen.

 

5 (100%) 4 votes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.